Evangelische Friedrichsgemeinde Worms
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„Neuanfang”

 

Ein Bild voller Gegensätze: Die Taube mit dem Ölzweig, die sich in den hellen Horizont aufschwingt – und das in dunklen Farben gehaltene Dornendickicht des Untergrunds.

Ein Bild wie das Leben. Weil beides zum Leben gehört: Sehnsucht nach Frieden und die Wirklichkeit von zerbrochenem Frieden.

Gerade da gilt es: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

 

Frieden – ein Menschheitstraum

Nach Frieden sehnen wir uns. Dass wir gegenwärtig die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte erleben, ist keine Selbstverständlichkeit. Ich denke an Berichte der Kriegsgeneration, die alle den- selben Grundton tragen: Hoffentlich nie mehr Krieg! Zugleich erleiden an vielen Orten unserer Welt unzählige Menschen die Schrecken von Krieg und Terror. Frieden wird ausgelöscht durch Hass, politische oder religiöse Ideologien, durch die Gier nach Macht und Geld!

Die dunklen Farben in der Graphik von Dorothee Krämer deuten an, welche Finsternis Menschen ergreift, wenn Frieden fehlt. Zerbrochener Frieden ist wie Dornengestrüpp, das Wunden reißt.

 

Frieden – ein Traum für das eigene Leben

Nach Frieden sehnen wir uns. Dass in der Familie Frieden herrscht, dass Kolleginnen und Kollegen freundlich und offen miteinander um- gehen, dass der Neuanfang nach einem Streit möglich ist, dass ein Gespräch nach langem Schweigen gewagt wird. Wir sehnen uns nach Frieden und sind doch gezeichnet von der Erfahrung der Dornen. Jedes Leben trägt seine Wunden. Weil der Traum vom Frieden zerbrechlich ist. Aus Freunden werden Gegner, aus Geschwistern Rivalen, aus Partnern Kontrahenten. Wie schwer ist es dann, einen Neuanfang zu wagen!

Die hellen und dunklen Farben der Graphik zur Jahreslosung malen diese unterschiedlichen Schattierungen des Lebens vor Augen: Dass die Sehnsucht nach Frieden zerbrechlich ist.

 

Frieden ist immer ein Geschenk

Die Taube schwingt sich auf, den grünen Ölzweig im Schnabel. Es ist, als ob das helle Licht sie heraus trägt aus dem dunklen Dornendickicht.

Die Geschichte von Noah klingt an: Noah und seine Familie haben in der Arche die Flut überlebt. Eine Taube fliegt aus, kehrt zurück mit dem frischen Ölzweig: Ein Neuanfang ist möglich! Das Symbol der Taube erinnert daran, wie die Evangelien die Taufe von Jesus be- schreiben. Jesus wird getauft, der Heilige Geist kommt zu ihm – als ob eine Taube aus dem Himmel zu ihm fliegt. Gott fängt neu an mit der Welt – in Jesus kommt er selber hinein in die Friedlosigkeit. Bis in den Tod hinein geht er, um Frieden zu suchen. Die Dornen unseres Lebens werden zur Krone dieses Friedenskönigs.

Die Taube ist das Zeichen des Friedens schlechthin. Beim ersten Weltfriedenskongress 1949 wurde das Bild einer Taube, gezeichnet von Pablo Picasso, als Friedenssymbol verwendet. In der Friedens- bewegung ist die Taube zum Ausdruck der Friedenssehnsucht geworden.

Wenn die Bibel vom Frieden spricht, dann ist deutlich: Frieden kann nur Gott schenken. Weil wir Menschen gefangen sind in uns selber, im Dornendickicht des Strebens nach dem eigenen Glück – auch auf Kosten anderer. Frieden beginnt immer im eigenen Herzen. Und Herzen verändern kann nur Gott. Jesus verkörpert diesen Frieden: Er hat Menschen hinein genommen in den Frieden: Ausgestoßene holt er aus dem Dornengestrüpp der Einsamkeit, Sündern spricht er Vergebung zu. Mutlosen sagt er: „Friede sei mit dir!“ (Lukas 24,36 L)

 

Frieden muss gesucht werden

Frieden geschieht nicht von allein. Er muss gesucht werden: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Frieden zu suchen, heißt: Nicht zu warten, dass der andere mit dem Frieden beginnt, sondern selbst den ersten Schritt zu gehen. Das ist alles andere als leicht. Wenn die Dornen eines Streits Wunden gerissen haben, braucht es Zeit und Kraft, aufeinander zuzugehen. Nicht aufzurechnen, sondern zu vergeben. Der helle Horizont auf dem Bild zur Jahreslosung steht dafür, dass es Hoffnung gibt. Hoffnung auf Frieden. Weil Jesus uns seinen Frieden zuspricht.

Machen wir uns auf, Frieden zu suchen!

 

Diese Bildbetrachtung schrieb Cornelius Kuttler, Evangelisches Jugendwerk Württemberg.

Wir danken für die Abdruckgenehmigung.

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