Lichtblick der Woche


Beten ist nicht abgesagt.
 

Von der Kölner Rockgruppe „BAP“ gibt es ein Lied, das heißt: „Wenn et Bedde sich lohne däät, wat meinste wohl, wat ich dann bedde däät?“ („Wenn das Beten sich lohnen würde, was meinst du wohl, was ich dann beten würde?“)

38 Jahre hat dieser Song schon auf dem Buckel – aber noch heute kann ich persönlich jeden Gedanken und jede Bitte dieses gesungenen Gebets unterschreiben. Gerade jetzt, in den Tagen der Corona-Pandemie, ist es so aktuell wie nie zuvor.

Denn im Moment sitzen wir irgendwie zwischen allen Stühlen.

Einerseits: Wir sind immer noch vorsichtig und verhalten uns diszipliniert im Umgang mit der Corona-Gefahr. Gleichzeitig sind wir verstimmt über die teils leichtsinnigen und ungerechten – weil nur marktorientierten – Lockerungsmaßnahmen.

Dass wir in unserer Friedrichskirche beim stillen Gottesdienst einen Abstand von 1,5 Metern voneinander halten  müssen, aber Urlaubsreisende im Flugzeug schon dicht an dicht sitzen dürfen – lediglich mit einem Mund/Nasenschutz angetan –, das ärgert.

Andererseits: Uns selbst nervt es ja auch allmählich, mit Maske einkaufen gehen zu müssen oder einander nur mit den Augen grüßen zu dürfen. Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass es endlich ein Ende hat mit den Einschränkungen und ahnen zugleich mit Unbehagen, dass wir wohl alle noch sehr lange darauf warten müssen, bis Corona besiegt sein wird und wir wieder in Freiheit leben dürfen.

Was würden Sie beten, wenn Beten sich lohnen würde?

Es ist verständlich und menschlich, wenn uns jetzt zunächst einmal die Bitten einfallen, die uns selbst betreffen. Es ist nicht verwerflich, sondern richtig, Gott auch um das eigene Wohl zu bitten.

Barmherziger Gott,
bitte lass mich gesund bleiben.

Bitte lass mich gesund werden.

Bitte schenke mir mehr Geduld.

Bitte hilf mir doch, dass mein Urlaub nicht auch ins Wasser fällt.

Bitte hilf mir, dass ich bald meine Kinder, meine Enkelkinder, meine Geschwister wiedersehen darf.

...

Was würden Sie beten?

Beten Sie sich alles, alles vom Herzen, was Sie bedrückt. Sagen Sie Gott Ihre ganz persönlichen Wünsche – ja auch die, die nur Sie selbst betreffen. Ohne schlechtes Gewissen. Denn Gott will ehrliche Beter.

Dann geschieht nämlich etwas Wunderbares. Wenn wir uns alles vom Herzen gebetet haben, was uns persönlich bedrückt, öffnen sich unsere Gedanken wie von selbst zu den anderen hin.
Zu den Kindern, zu den Enkelkindern,
zu den Geschwistern,
zu anderen Menschen, die wir zwar nicht kennen, deren Schicksal uns aber berührt ...

 

Wir bitten für Menschen, die an Corona erkrankt sind, dass sie überleben und wieder ganz gesund werden.

Wir bitten für die Ärzte/innen, Rettungskräfte und Krankenpfleger/innen, dass ihnen in diesen anstrengenden Monaten Kraft, Geduld und Gesundheit erhalten bleiben.

Wir bitten für die Menschen in den Altenheimen, dass sie nicht nur bald wieder Besuch empfangen dürfen, sondern endlich auch wieder raus zum Spaziergang, zum Stadtbummel, ins Eiscafé.

Wir bitten für die ungeduldigen Jugendlichen, die in Gefahr sind, ihre Ungeduld in Unmut, in Leichtsinn oder gar in Gewaltexzessen kund zu tun, dass sie einsichtig und besonnen bleiben.

Wir bitten für die Kinder, die ihre Freunde und ihre Lehrer/innen vermissen, dass bald alle wieder ihren Kindergarten oder ihre Schule besuchen dürfen.

Wir bitten für die Eltern, die – ob berufstätig oder nicht – ihre Kinder zuhause betreuen müssen, dass sie Ruhe bewahren und es ihnen gelingt, sich immer einmal wieder Freiräume zu schaffen.

Wir bitten für die Künstler und Künstlerinnen, die statt Gage jetzt Hartz IV bekommen, dass die Not des Kulturlebens bald ein Ende hat.

Wir bitten für die Länder, in denen die Corona-Pandemie jetzt erst richtig Fahrt aufnimmt, und deren Gesundheitssystem viel zu schwach ist, allen Menschen zu helfen, dass sie Hilfe von außen erfahren von den nahen und den fernen Nachbarn.

Wir bitten für die Politiker aller Länder um Besonnenheit, um Rücksicht und um Weitsicht.

...

Für wen würden Sie beten?

Das Album von „BAP“, von dem ich anfangs geschrieben habe, heißt übrigens „vun drinne noh drusse“ („Von drinnen nach draußen“). Genauso soll auch unser Beten sein: von uns selbst angefangen, über diejenigen, die uns nahestehen, bis zu denen, die in der Ferne um ihr Leben, ihr Auskommen und ihren Frieden kämpfen. Von drinnen nach draußen, das ist der beste Weg, um in der Coronazeit recht zu beten. Und jetzt ist uns allen klar, dass Beten in der jetzigen Zeit auf keinen Fall abgesagt ist, sondern wichtiger ist denn je.

Nehmen Sie sich heute Abend einmal ganz bewusst Zeit dafür. Sie werden sich wundern, wohin Ihre Gedanken und ihre Gebete Sie führen.

 

© 2020 Dorothea Zager, Worms
Weitere Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin

 

Übrigens:

Wenn Sie gerne mehr über das Beten erfahren möchten: im Kolosserbrief 4,2-4 steht eine Art „Gebrauchsanweisung“ für das Beten, und im Onlinegottesdienst zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020 können Sie eine Auslegung dazu lesen.

 

Bildnachweise:

Cover BAP – vun drinne noh drusse – Dorothea Zager, privat – nicht gemeinfrei

Menschen mit Masken im Flieger – Mallorcazeitung.es – nicht gemeinfrei

Präsenzgottesdienst in der Friedrichskirche, Angelika Huber – nicht gemeinfrei

Einlieferung eines Coronapatienten – DRK, gemeinfrei

Im medizinischen Labor, 123rf – nicht gemeinfrei

Eltern beim Homescooling, 123rf – nicht gemeinfrei

Massengrab in Brasilien, DW.com – nicht gemeinfrei

Politiker/innen bei einer Videokonferenz – DPA, nicht gemeinfrei

Nicht gemeinfrei bedeutet, die Fotos sind privat oder die Lizenz wurde nur für dieses Medium erworben.

Das war dann der letzte "Lichtblick der Woche" sein, der auf unserer Homepage veröffentlicht wird.

 

Die vierzehn Themen unseres Titelfotos, die Sie in den letzten Wochen und Monaten ermutigen und stärken wollten, haben wir jetzt alle bedacht.

 

Wir hoffen, unsere Onlinegottesdienste und Lichtblicke haben Ihnen geholfen, die Corona-Einschränkungen mit Geduld und Gottvertrauen durchzustehen.


Gott segne Sie und erhalte Sie weiterhin gesund.


 

 

Alle Lichtblicke können Sie hier auch downloden und ausdrucken:

Beten ist nicht abgesagt.
24. Juni 2020
2020-06-24 Beten ist nicht abgesagt.pdf
PDF-Dokument [1.9 MB]
Verzeihen ist nicht abgesagt
17. Juni 2020
2020-06-16 Verzeihen ist nicht abgesagt.[...]
PDF-Dokument [543.5 KB]
Hoffnung ist nicht abgesagt.
10. Juni 2020
2020-06-10 Hoffnung ist nicht abgesagt.p[...]
PDF-Dokument [949.1 KB]
Kreativität ist nicht abgesagt.
3. Juni 2020
2020-06-03 Kreativität ist nicht abgesag[...]
PDF-Dokument [2.1 MB]
Gespräche sind nicht abgesagt.
27. Mai 2020
2020-05-27 Gespräche sind nicht abgesagt[...]
PDF-Dokument [552.3 KB]
Phantasie ist nicht abgesagt.
20. Mai 2020
2020-05-19 Phantasie ist nicht abgesagt.[...]
PDF-Dokument [447.6 KB]
Musik ist nicht abgesagt.
13. Mai 2020
2020-05-13 Musik ist nicht abgesagt.pdf
PDF-Dokument [234.9 KB]
Beziehungen sind nicht abgesagt.
6. Mai 2020
2020-05-05 Beziehungen sind nicht abgesa[...]
PDF-Dokument [731.2 KB]
Spielen ist nicht abgesagt.
29. April 2020
2020-04-28 Spielen ist nicht abgesagt.pd[...]
PDF-Dokument [1.1 MB]
Freundlichkeit ist nicht abgesagt.
22. April 2020
2020-04-22 Freundlichkeit ist nicht abge[...]
PDF-Dokument [918.8 KB]
Lesen ist nicht abgesagt.
15. April 2020
2020-04-15 Lesen ist nicht abgesagt.pdf
PDF-Dokument [3.8 MB]
Liebe ist nicht abgesagt.
8. April 2020
2020-04-08 Liebe ist nicht abgesagt.pdf
PDF-Dokument [456.4 KB]
Frühling ist nicht abgesagt.
1. April 2020
2020-04-01 Frühling ist nicht abgesagt.p[...]
PDF-Dokument [8.2 MB]
Sonne ist nicht abgesagt.
25. März 2020
2020-03-25 Sonne ist nicht abgesagt.pdf
PDF-Dokument [227.3 KB]
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