Friedrichsgemeinde Worms
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4. Sonntag nach Trinitatis

„Stehe ich an Gottes Statt?“

Gottesdienst zum vierten Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020
von Dorothea Zager,
Pfarrerin der Friedrichsgemeinde Worms

Sie sind eingeladen, um 10.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.
So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls heute Morgen diesen Gottesdienst feiern.

Musik zum Eingang

Ulrich Hirtzbruch (2019), Bläserfantasie zu Ich singe dir mit Herz und Mund, Bläser der Christuskirche Herford

Wochenspruch

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Gal 6,2)

Eingangslied

EG 324,1+2+13: Ich singe dir mit Herz und Mund

Eingangsvotum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gem.: Amen.

Psalmgebet

Wenn Sie die Andacht zu zweit feiern, können Sie diesen Psalm im Wechsel lesen.

Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet
und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Deine Augen sahen mich,
als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.
 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Psalm 139 in Auswahl

Gebet

Lieber Vater,

wir stehen vor dir mit leeren Händen. Es ist so gut wie nichts, was wir dir zu bieten hätten, womit wir vor dir bestehen könnten.

Du hast uns gesagt, wir sollen einander helfen, die Lasten des Lebens zu tragen. Haben wir das getan? Wirklich?

Wie oft haben wir einen Menschen gesehen, der eine Last schleppte – nicht nur eine große Einkaufstasche, sondern eine schwere Traurigkeit, oder eine Schuld, oder eine Enttäuschung. Und wir haben ihm die Last nicht tragen geholfen, weil wir glaubten, unser eigenes Los wäre schon schwer genug, und wir hätten keine Kraft mehr auch noch für andere.

Den Hungernden haben wir gesehen, ohne ihm Essen zu geben.

Den Traurigen haben wir gesehen, ohne das tröstende Wort über die Lippen zu bringen.

Den Heimatlosen haben wir gesehen, haben ihn aber nicht eingeladen in unser Haus.

Von dem Kranken haben wir gewusst, aber zum Besuch hat die Zeit nicht gereicht.

Dem Außenseiter sind wir begegnet, aber wir haben es nicht fertig gebracht, mit einem freundlichen Wort auf ihn zuzugehen.

Mit all diesen Versäumnissen kommen wir zu dir, Vater, mit all unserer Schuld.
Nur du allein kannst sie vergeben.

Wir kommen zu dir mit unserem Kummer, unseren Fragen und Zukunftsängsten. Nur du allein kannst sie in Vertrauen und Zuversicht verwandeln.

Darum suchen wir dich. Wir suchen deine Nähe. Wir suchen dich und bitten dich um Vergebung im Vertrauen auf Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.
 

Evangeliumslesung      Lukas 6,36-42


Von der Stellung zum Nächsten


Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.

Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?

Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge?

Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

 

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde

 

und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel,
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige, christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen.

Wochenlied

EG 412,1+6:
So jemand spricht: Ich liebe Gott

Predigt über 1. Mose 50,15-21

Josef vergibt seinen Brüdern

Er hatte einen Traum.

Einen Traum, in dem sie aufs Feld gingen, um die Ernte einzubringen. Alle banden sie ihre Garben, so wie es damals üblich war. Aber plötzlich erwachten die Garben zum Leben. Seine Garbe stellte sich in die Mitte und stand kerzengerade, während sich die Garben der anderen im Kreis um sie herum stellten und sich vor ihr verneigten wie vor einem König.

Jahre später erfüllte sich dieser Traum. Da war er tatsächlich ein großer und einflussreicher Herr geworden, und die anderen kamen als Bittsteller zu ihm. Überall herrschte Hungersnot, nur er, der Träumer, hatte vorgesorgt und Korn in die Scheunen gesammelt, das er jetzt verkaufte. „Wir sind von weit her gekommen, um bei dir Getreide zu kaufen,“ sagten sie zu ihm. Er aber fuhr sie an und beschuldigte sie. Er ließ sie zappeln und genoss die Macht, die er über sie hatte. So stellte er sie auf die Probe. Schließlich ließ er sie alle mit dem Getreide nach Hause ziehen – fast alle, denn einen von ihnen behielt er als Geisel da.

 

Die Rede ist von Josef und seinen Brüdern. Von den Söhnen des Erzvaters Jakob, die miteinander bis aufs Blut zerstritten waren. Entscheidenden Anteil daran hatte ihr Vater selbst, der Josef gegenüber den älteren Söhnen bevorzugte. Warum? Weil er der lang ersehnte Sohn seiner Lieblingsfrau Rahel war. Der Sohn seines Alters. Und weil er schön an Gestalt und hübsch von Angesicht war. Der Junge bildete sich darauf etwa ein. Er provozierte seine Brüder, indem er ihnen den Traum von den Garben brühwarm erzählte. „Willst du unser König werden und über uns herrschen?“, warfen sie ihm daraufhin an den Kopf.

Diesem eingebildeten Kerl wollten sie es zeigen – und sich gleichzeitig an dem ungerechten Vater rächen, der nur noch Augen für seinen Liebling hatte.

Als sich die Gelegenheit bot und sie mit ihm allein waren, packten sie ihn und warfen ihn in einen leeren Brunnen.

Sie waren sich noch nicht ganz einig, ob sie ihn töten oder ihn einfach nur dort unten verhungern lassen würden.

Als Kaufleute mit ihrer Karawane vorbeikamen, verkauften sie kurzerhand den kleinen Bruder und waren ihn los. Dem Vater erzählten sie, ein wildes Tier habe ihn gerissen und zeigten ihm Josefs blutbeschmiertes Kleid.

Aber das war keine gute Idee: Jakob war untröstlich. Er legte Trauerkleidung an und vergrub sich in seinem Schmerz. „Bis zum Ende meines Lebens werde ich um meinen Sohn trauern“, erklärte er feierlich.

Der Verlust Josefs prägte die Familie für immer. Er drückte ihr einen Stempel auf, dem keiner entkommen konnte. Tag für Tag sahen die Söhne ihren Vater, wie er mit gebeugtem Kopf und leidvoller Miene herumging. Tag für Tag begegneten sie seinen Blicken, die immer wieder Spuren von Misstrauen zeigten.

 

Jakobs Familie war traumatisiert. Wenn jemand Josefs Namen in den Mund nahm, zuckten alle zusammen.

Mehr als 20 Jahre später begegnen sie sich wieder. Aber die Brüder ahnen nicht, dass der Herr über die Kornkammern Ägyptens, die rechte Hand des Pharao, ihr Bruder Josef ist. Josef aber weiß sofort, wen er vor sich hat, als sie vor ihm stehen und ihn bitten, ihnen Korn zu verkaufen. Er stellt sie mehrmals hart auf die Probe.

Als er sieht, dass ein Bruder für den anderen einsteht, als er spürt, wie sehr sie ihren Vater lieben und alles dafür tun wollen, dass es ihm gut geht, als er hört, wie sie über ihre Schuld sprechen, die sie auf sich geladen haben, als sie Josef verkauften, da ändert er sein Verhalten: Er gibt sich seinen Brüdern zu erkennen und offenbart ihnen: „Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.“ Er vergibt seinen Brüdern und hat das, was geschehen ist, akzeptiert. Er kann darin sogar einen Sinn erkennen und die Handschrift Gottes entziffern. Josef fordert seine Brüder auf, seinen alten Vater nachzuholen, damit die ganze Familie in Ägypten lebt, wo er sie versorgen kann – und so geschieht es.

Nach Jahren stirbt Jakob, der Patriarch, im hohen Alter. Jetzt kann sie der Vater nicht mehr schützen, und Josefs Brüder bekommen es mit der Angst zu tun. Eine neue Zeit ist angebrochen, in der die Brüder unter sich sind und sich arrangieren müssen. Wie wird sich Josef jetzt ihnen gegenüber verhalten?

 

Hören wir den Predigttext aus dem Buch Genesis im 50. Kapitel:

 

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten.

 

Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Geschwisterkonflikte, die in der Bibel häufig erzählt werden, gehen nicht immer so friedlich und harmonisch aus wie hier bei Josef. Ich erinnere an die Brüder Kain und Abel, an die Zwillinge Esau und Jakob, an die beiden Schwestern Lea und Rahel, an den Rangstreit der beiden Brüder und Jünger Jesu: Jakobus und Johannes. Da gibt es die Mutter, die ihren Lieblingssohn mit List und Weisheit bevorzugt; da ist der Vater, der einen Sohn besonders verwöhnt und dadurch die Eifersucht der anderen Söhne hervorruft. Da wird von dem Konkurrenzkampf der Geschwister um die Gunst und Liebe der Eltern berichtet; um Anerkennung und liebevolle Nähe wird lebenslang gerungen. Alte Geschichten in der Bibel, die in unserer Zeit jeden Tag neu passieren, wie Ricarda Huch es einmal so treffend formulierte: Alte Geschichten in der Bibel, die in unserer Zeit jeden Tag neu passieren.

Wer von uns kennt nicht solche Berichte und Schicksale von Geschwistern, die nicht mehr miteinander sprechen, – höchstens noch über Rechtsanwälte? Erzählungen mit Vorwürfen, dass Vater oder Mutter ihr Lieblingskind schon immer vorgezogen haben. Erfahrungen, dass nach Scheidungen oder Todesfällen Streitigkeiten um das Erbe hohe Wellen schlagen, – manchmal schon bei einer Beerdigung spürbar. Wohin man auch hört: Familienkonflikte!

Nicht selten ist es in Familien dann so wie in der Josefsgeschichte: Es gibt unausgesprochen ein Stillhalteabkommen, solange die Autorität des Familienoberhauptes geachtet wird. Aber wenn diese Person stirbt, dann bricht sofort die Angst auf: Ist jetzt Rache angesagt für das, was man in den eigenen Lebensgeschichten einander angetan hat? Kann man jetzt endlich frei und offen argumentieren, handeln und zurückschlagen?

Auf das verstorbene Oberhaupt der Familie braucht man keine Rücksicht mehr zu nehmen. Nun wird Tacheles geredet! In Gerichtsverhandlungen ist so etwas fast eine „alltägliche“ Situation; Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich kann nicht glauben, dass Josef alles vergessen hat, was seine Brüder ihm angetan haben! Aber Josef kommen über die sich erniedrigende und angstvolle Verhaltensweise seiner Brüder die Tränen. Sie haben so schreckliche Angst vor ihm, dass sie vor ihm niederfallen, sich demütigen und sich als seine Knechte bezeichnen.

Josef löst diesen Konflikt auf zweierlei Weise:

1. Josef verschweigt nicht das aus dem Herzen der Brüder kommende Böse, aber er tröstet sie zugleich, redet freundlich mit ihnen und nimmt ihnen ihre guten Absichten ab – das heißt: er vertraut ihnen.

2. Josef weist darauf hin, dass er selbst kein Richter sei und dass er nicht an die Stelle Gottes treten will. Klar benennt er, dass die Brüder es mit ihm böse gedacht hatten, aber er fügt hinzu, dass Gott alles zum Guten gelenkt hat. Martin Buber hat dazu übersetzt: dass Gott „umgeplant" hat.

Ich denke, dass so ein Ende eines schwelenden Familienkonfliktes ein Neuanfang des Lebens für alle bedeutet. Insofern erreicht dieser Brüderkonflikt mehr als nur ein Happy End; denn es geht um die Chance für ein gemeinsames, vertrauensvolles Leben der Brüder und ihrer Familien.

Josef weist auf Gott als den, der nicht verurteilt, sondern Gutes für uns Menschen aus allem wirken will. „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade"[1] – so lautet ein Buchtitel, der so das Handeln Gottes beschreibt. Gott ermöglicht es, dass ein gemeinsames, friedliches Zusammenleben erhalten bleibt.

Aber nun sind wir nicht Josef, liebe Gemeinde, und meist sind wir nicht so ideale Menschen wie Josef, der nichts vergisst und doch nicht nachträgt. Es fällt uns schwer, einen Konflikt so zur Lösung zu bringen, dass auf Augenhöhe ein neues Leben möglich wird. Selten gelingt dies bei Erbstreitigkeiten, Scheidungsangelegenheiten und bei Geschwister-Konkurrenz-Kämpfen.

Aber der biblische Text zeigt uns einen Weg, wie wir besser mit solchen Situationen zurechtkommen.

Ein Schlüsselwort auf diesem Weg ist der Ausspruch des Josef: „Stehe ich denn an Gottes Statt?“ Diese rhetorische Frage kann für uns in unseren Familienkonflikten eine Art Befreiungsschlag bedeuten. Wir müssen nicht urteilen, nicht verurteilen, nicht bei Vorurteilen verharren. Das Urteilen und Richten ist letztendlich Gottes Sache! Wir dürfen das neue gemeinsame Leben im Blick haben, – ohne Angst und Erniedrigung unserer Person und ohne Angst vor den Handlungen der Familienmitglieder, auch wenn sie uns überhaupt nicht zusagen.

Dieses Vertrauen in die geschenkte Liebe Gottes ist der tiefste Grund für die mögliche Furchtlosigkeit im Familienleben, die gegenseitige Ehrlichkeit und die Kraft der Vergebung.

Eben auch eine alte Geschichte, die hoffentlich jeden Tag neu passiert. Wenn mal wieder ein Streit oder ein Konflikt in unserer Familie ansteht, können wir das ja selbst einmal ausprobieren:

Wenn Gottes Liebe uns trägt, und wir uns darauf verlassen, dass Gott zurechtrückt, was unrecht ist, dann können wir das auch miteinander tun und uns gegenseitig schenken: Liebe und Vergebung und einen neuen Anfang.

Amen.

 

[1] „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.“ Zitat von Paul Claudel (1868–1955). Bücher mit diesem Titel: Kurt Steinel, Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade, Gelnhausen 1979; Renate Klein, Jakob: Wie Gott auch auf krummen Linien gerade schreibt, Stuttgart 2019.

 

Lied nach der Predigt

EG 133,7+8: Du bist ein Geist der Liebe

Fürbittengebet

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben.

Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben.

Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

 

Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache,

dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache.

Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

 

Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte,

dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte

für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

 

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen.

Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen;

denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

 

Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;

dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,

die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

 

Text: Hans von Lehndorff 1968

Gebetsstille

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Schlusslied

EG 369,1+7:
Wer nur den lieben Gott lässt walten

Bitte um den Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden +. Amen.

Musikalischer Ausklang

Eugène Gigout (1844-1925), Grand Choeur Dialogué für Orgel und Bläser, Posaunenchor und Stefan Schmidt an der Klais-Orgel des Kiliansdoms Würzburg

 

© Dorothea Zager, Worms
Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin

 

Ich danke meinem Ehemann, Prof. Dr. Werner Zager, für das Einspielen der Choralbegleitung,
und Kantor Stefan Kauffmann für die Beratung bei der Auswahl der freien Musikstücke.


Bildnachweise:
Alexandra Meinert, Die schönsten Bibelverse – nicht gemeinfrei
Domenico Fetti 17. Jahrhundert Detail aus “Der Splitter und der Balken im Auge” – gemeinfrei
Schwarzweiß-Zeichnungen Josefsgeschichte, Lehrermaterial für die Hauptschule (Herkunft leider unbekannt) – nicht gemeinfrei
Marc Chagall, Jakob trauert um Josef – gemeinfrei
Gebet, shutterstock – nicht gemeinfrei.


 

Nicht gemeinfrei heißt: Das Foto darf nicht kopiert oder weiterverwendet werden.
Die Abdruckgenehmigung wurde nur für dieses Medium erteilt.

 

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