Friedrichsgemeinde Worms
FriedrichsgemeindeWorms

Gründonnerstag

Unsere Hoffnung steht fest.

Andacht zum Gründonnerstag 2020
von Franziska Schwarz, Vikarin in der Magnusgemeinde Worms

 

Sie sind eingeladen, um 19.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.
So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls heute Abend diese Andacht feiern.

 

Wir hören

Johann Sebastian Bach, Wir setzen uns in Tränen nieder aus der Matthäuspassion (BWV 244)

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 111 (in Auswahl):

Wenn Sie die Andacht zu zweit feiern, können Sie diesen Psalm im Wechsel lesen.

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen / im Rate der Frommen und in der Gemeinde.

Groß sind die Werke des Herrn; / wer sie erforscht, der hat Freude daran.

Was er tut, das ist herrlich und prächtig, / und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, / der gnädige und barmherzige Herr.

Er gibt Speise denen, die ihn fürchten; / er gedenkt auf ewig an seinen Bund.

Gebet

Guter Gott, du lädst uns ein an deinen Tisch.
Wie am Abend vor der Kreuzigung.

Dein Sohn saß mit seinen Jüngern zusammen,
wie immer, und trotzdem war alles anders.

Dein Tisch ist reich gedeckt mit Brot und Kelch
und all den Dingen, die uns beschäftigen.

Was wir nicht verzeihen können, worüber wir wütend sind,
weswegen wir trauern, all das liegt da auf dem Tisch und will verwandelt werden.

Gott, du lädst uns ein an deinen Tisch.
Wir dürfen bei dir zu Gast sein.

Du siehst uns und verwandelst was wir auf deinem Tisch ausgebreitet haben.
Wir lassen uns von dir versöhnen. Amen.

Lied vor der Predigt

EG 91,1-3: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

EG 91 1-3 Herr, stärke mich.mp4
MP3-Audiodatei [2.4 MB]

Kurzpredigt

Frau M. sitzt in ihrem Sessel, den ihr ihre Kinder extra aus ihrem geliebten Wohnzimmer ins Pflegeheim gebracht haben.

Mit jedem Atemzug wird sie schwächer und müder. Sie ist bereit, sich zu verabschieden. Letzte Worte hat sie bereitgelegt für ihre Kinder. Letzte Anweisungen, Instruktionen und letzte Ratschläge fürs Leben hält sie bereit. Ein letztes Mal wird Unausgesprochenes ausgesprochen, es wird verziehen. Sie hat alles geregelt und bereinigt.

Ein Abschied, der sicher dennoch schwerfällt. Und doch – die Möglichkeit sich zu verabschieden, letzte Worte im Herzen zu bewahren, letzte Gesten und Berührungen zu verinnerlichen, sich zu verzeihen! Das ist etwas Wertvolles. Das ist tröstlich!

Ein Abschied, bei dem sich viel Zeit genommen wird. Auch Jesus verabschiedet sich so von seinen Jüngern. Beim letzten Abendmahl, das wir am Gründonnerstag feiern.
 

Matthäus 26,26-30:

„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. / Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; / das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. / Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. / Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“

 

Jesus nimmt sich Zeit, er isst mit seinen Jüngern, er wäscht ihnen sogar die Füße, spricht ihnen ermutigende Worte zu. Worte, die die Jünger auf eine Welt ohne ihren geliebten Rabbi vorbereiten sollen. Worte, die von Verzeihen und Erinnern sprechen. Dieses Mahl zur Erinnerung an Gemeinschaft mit Jesus Christus feiern wir Christen und Christinnen seit jeher und dürfen dabei auf Vergebung unserer Sünden hoffen. Wir denken dabei an Christus und leben vor allem das, was Jesus zurücklassen wollte: Gemeinschaft, in der das Brot und der Wein, den wir miteinander teilen, Zeichen für Erinnerung und für Verzeihen.

Wie schön und rund wäre es jetzt, einfach gemeinsam Abendmahl zu feiern. Nur ist uns diese Gemeinschaft zurzeit gänzlich untersagt. Sie sitzen gerade vermutlich vor ihrem Computer, haben das Handy in der Hand oder lesen diese Andacht in Papierform, so oder so: Sie sind vermutlich allein oder zu zweit. Was ist für uns dieses Jahr also noch von Gründonnerstag übrig, wenn schon die Gemeinschaft im wahren Leben wegfällt?

Meiner Meinung nach ist es vor allem die Vergebung oder wie wir in unserem Sprachgebrauch vermutlich eher sagen: das Verzeihen!

Das Gedächtnismahl ist für mich auch ein Rückbesinnen darauf, wie Christus sich verhalten hat. Er hat seine Jünger darauf vorbereitet, in einer Welt zu leben, in der es Jesus nicht mehr gibt, und doch in seinem Sinne weiterzuleben. Er hat Schuld und Sünden vergeben. Er hat verziehen!

Eingangs habe ich Ihnen von Frau M. erzählt. Ein Verzeihen auf dem Sterbebett ist etwas Wertvolles. Aber warum so lange warten: Mich beschäftigen auch, ohne dem Tode nahe zu sein, Beziehungen zu Menschen, mit denen etwas unausgesprochen blieb. Ich kann zurzeit keine Mahlgemeinschaft halten, aber ich kann mich rückbesinnen und mir Gedanken über meine Beziehungen und Kontakte machen. Vielleicht greife ich dann zum Telefonhörer und spreche Unausgesprochenes aus, höre mir Ungesagtes an, bereinige Kontakte, melde mich bei Menschen, die ich schon längst hätte anrufen wollen, verzeihe und warte auf das Verzeihen anderer.

Das ist die Art Gemeinschaft, die in unserer momentanen Situation möglich ist. Wenn dann die Zeit kommt, in der wir wieder Mahlgemeinschaft halten dürfen, fühle ich mich vielleicht ganz befreit und kann in vollen Zügen die Gemeinschaft genießen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied nach der Predigt

EG 85,8+9: Ich danke dir von Herzen

Fürbitten

Jesus Christus, du bist unsere Versöhnung.

Immer wieder verletzen wir einander, hören einander nicht richtig zu und verstehen uns falsch, doch die Sehnsucht nach Erlösung hört nicht auf.

Jesus Christus, du Vergebung der Sünden, wir bitten dich, vergib uns und hilf uns, zu vergeben, wir bitten dich, hilf uns auch in dieser Zeit der Isolation, Gemeinschaft spüren zu können. Wir bitten dich, Herr erbarme dich. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Bitte um den Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden +.

Amen.

Schlusslied

EG 171,1-4: Bewahre uns, Gott

EG 171 1-4 Bewahre uns Gott.mp3
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2020-04-09 Gottesdienst zu Gründonnersta[...]
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Ich danke meinem Mann Prof. Dr. Werner Zager, dass er für uns die Choralvorspiele und die Choralbegleitungen auf unserem Flügel eingespielt hat.

Der nächste Gottesdienst zum Mitlesen und Mitfeiern erscheint am Karfreitag, 10. April 2020.

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