Evangelische Friedrichsgemeinde Worms
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Predigt über Matthäus 2,1-12

Die Weisen aus dem Morgenland

 

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Predigt zu Epiphanias 2019
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Liebe Gemeinde,

wenn die heiligen drei Könige ihren Auftritt beim Krippenspiel haben, ist das ist jedes Mal ein erhebender Moment:

Erst jagen unfreundlichen Wirte Maria und Josef vom Hof, dann kriechen die beiden in einen elenden Stall. Der kleine Neugeborene muss in einer Futterkrippe liegen, und bekommt als erstes Besuch von einer wilden Schar robuster Hirten ... dann aber ... dann wird es royal!

In glitzernden Roben, mit kostbaren Schleppen und mit geheimnisvollen Geschenken schreiten die Könige durch das Kirchenschiff und huldigen dem neugeborenen Kind. Es ist in jedem Jahr ein erhebender Moment.

 

I.
Und schade eigentlich, dass laut Bibel, sich die Hirten und die Könige an der Krippe gar nicht getroffen haben. Lukas erzählt nichts von Königen. Und Matthäus nennt keine Hirtenbesuche. Auch Ochs und Esel kommen gar nicht darin vor. Josef, Maria und das Kind leben in einem Haus. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schade eigentlich, dass die Heiligen drei Könige auch gar keine Heiligen waren. Sie wurden nie heilig gesprochen.

Und Könige waren sie auch nicht. Sie waren „Magioi“, das sind eigentlich Magier, Sterndeuter. Martin Luther hat bei seiner Bibelübersetzung einfach weise Männer aus ihnen gemacht; denn Magie war zu Luthers Zeiten verpönt.

Könige wurden sie erst, als man im Alten Testament eine Prophezeiung entdeckte und auf die drei Magier bezog: in Jesaja 60 steht, dass der der Messias von Königen aus aller Welt reich beschenkt werden wird. Also müssen die drei Könige gewesen sein, oder nicht?

Und dann waren es noch nicht mal drei. Auf die Dreizahl kam man erst durch die Aufzählung ihrer Geschenke: Wenn sie Gold, Weihrauch und Myrrhe mitgebracht haben – so schließt es der Kirchenvater Origenes –, dann müssen es wohl drei gewesen sein. Aber davon steht nichts in der Bibel.

Kaspar, Melchior und Balthasar, diese schönen Namen bekamen die drei auch erst im 6. Jahrhundert. Der englische Benediktinermönch Beda Venerabilis weiß um 725 zu berichten, dass Melchior ein Greis mit weißem Bart gewesen sei, Balthasar ein Mann mittleren Alters mit schwarzem Vollbart und Kaspar ein bartloser Jüngling.

Dazu ordnete der Mönch die drei Könige den damals bekannten Kontinenten Europa, Asien und Afrika zu. Melchior wurde später meist als „Mohr“ aus Afrika – und gleichzeitig Vornehmster der drei – dargestellt. Die Könige stehen damit für alle Menschen der Welt: alte und junge, schwarze und weiße.

Ist das also alles „nur“ eine schöne Legende?

 

II.
Ja, in der Tat, es ist eine schöne und erhebende Legende. Aber das macht diese Geschichte nicht etwa wertlos. Wie fast alle Legenden trägt die Geschichte von den „drei Heiligen Königen“ eine tiefe Botschaft in sich, die uns heute am Epiphaniastag Wichtiges zu sagen hat:

Ja, ich behaupte sogar: Die drei Weisen aus dem Morgenland, sind für uns heute viel wichtiger als die Hirten, die Engel und der Stall von Bethlehem.

Die Hirten wurden völlig unverhofft, dafür aber mächtig von der Weihnachtsbotschaft überrascht. Mit hellem Licht, mit einer lauten En­gelsstimme und himmlischen Heer­scharen, die in der Nacht das Lob Gottes anstimmten, wurden ihre Herzen mit Freude erfüllt. Und was sie gesehen und gehört hatten, war über alle Zweifel erhaben.

Die drei Weisen hatten es da weitaus schwerer. Sie mussten überhaupt erst einmal einen Stern entdecken. Es bedurfte und bedarf damals wie heute einer großen Gelehrsamkeit, am nächtlichen Himmel einen neuen Stern zu entdecken. Die Sterndeuter waren dazu in der Lage.

Und dann mussten sich die Weisen entschließen, los zu wandern. Und bis sie Jesus endlich fanden, lange suchen. Erst nach beschwerlichem Weg, nach mindestens einem Irrweg in den Palast des Herodes, und nach vielen ungeklärten Fragen kamen sie ans Ziel.

Darin, liebe Mitchristen, sind sie uns viel ähnlicher als die Hirten.

Auch uns trifft die Erkenntnis des Glaubens nicht wie ein Blitz aus dem Himmel. Auch wir haben keinen Engel, der uns sagt: Geht ins nächste Dorf, da werdet ihr Jesus finden.

Wir sind Suchende. Unser Leben lang unterwegs. Fragende, Wandernde, Unsichere. Wie die drei Weisen.

Manchmal haben wir das Gefühl, ganz nah dran zu sein, einen festen Glauben zu haben, mit Gott reden zu können wie mit einem Freund. Das würden wir dann gerne festhalten, weil wir denken, wir sind am Ziel.

Dann aber gibt es wieder Tage, in denen uns unser ganzer Glaube wieder fragwürdig vorkommt. Dann übermannen uns Fragen und Zweifel und wir sind unsicher, ob es sich überhaupt noch lohnt, zu beten, zu glauben, in die Kirche zu gehen.

Unsere ganze Lebensreise ist immer auch eine Glaubensreise mit manchen leichten, sonnenbeglänzten Wegstrecken aber auch mit steinigen Umwegen und Irrwegen.

Deshalb, liebe Mitchristen, Legende hin oder her: die drei Weisen aus dem Morgenland sind uns so nahe wie keine andere Figur in den Geschichten rund um das Krippenkind.

III.
Nun stellt sich natürlich die Frage, was genau suchen wir eigentlich auf unserer Glaubensreise? Und was genau können wir finden?

Die Antwort darauf finden wir ausgerechnet in den drei Geschenken der Weisen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diesen drei Gaben wird eigentlich sonst gar keine große Beachtung geschenkt in den Erzählungen der Bibel. Dabei steckt in ihnen die Antwort auf unsere Frage: Was genau hoffen wir eigentlich zu finden, wenn wir Christus suchen?

 

1. Wir suchen einen, der unser Leben heilt.

Das Symbol für unsere Suche nach einem geheilten und getrösteten Leben ist die Myrrhe.

Myrrhe ist ein wohlriechendes Harz. Es stammt vom Myrrhebaum, wurde in der Antike aber im Gegensatz zu Weihrauch vor allem im Alltag verwendet. Man stellte Medizin daraus her.

Wenn die drei Weisen dem neugeborenen also Myrrhe schenken, dann bedeutet das: sie würdigen ihn als den, der heilen kann, der seelische und körperliche Gesundheit bringen kann.

Und genau das ist es, liebe Mitchristen, was wir bei Christus nicht nur suchen, sondern auch finden können: Er kann unser belastetes und manchmal so furchtbar anstrengendes Leben heilen. Weil er uns immer wieder spüren lässt: Wenn irgendetwas in unserem Leben falsch gelaufen ist, wir etwas versäumt oder falsch gemacht haben, finden wir bei ihm Vergebung – das heißt nichts anderes als: Befreiung!

Egal, ob andere Menschen uns weiterhin grollen: Bei Christus finden wir die Chance, neu anzufangen, und unseren Weg weiterzugehen. Mit erleichtertem, weil befreitem Herzen. Dafür steht die Myrrhe.

2. Wir suchen einen, der uns sagt, welcher Weg der richtige ist.

Das Symbol für unsere Suche nach einer Lebensmaxime ist das Gold.

Gold zählt zu den ersten Metallen, die von Menschen verarbeitet wurde. Es war schon von je her selten und kostbar und von daher immer schon das Symbol für königliche Würde.

Natürlich können wir sagen: ich habe doch eine Lebensmaxime – eine innere Autorität, die mich leitet: ich habe mein Gewissen, das mir sagt, was zu tun ist. Ich kenne die zehn Gebote – und wenn’s gut läuft, halte ich mich auch daran.

Aber, liebe Mitchristen, das reicht doch nicht! Wenn wir nur deshalb Gutes tun, Liebe üben, weil es unser Gewissen oder Gebote oder Gesetze es von uns verlangen, dann wird es immer gezwungen sein, und uns nicht wirklich froh machen.

Wenn wir es aber tun, weil wir selbst geliebt sind, so sehr geliebt sind, dass es uns überhaupt nichts ausmacht, diese Liebe gerne und reichlich weiter zu schenken, dann macht das richtig Spaß, liebend und helfen zu leben. Christi Liebe wird zu unserer Liebe. Und seine Herzenswärme wird zu unserer Menschenfreundlichkeit.

Wir haben einen gefunden, der unser Leben und unser Handeln liebevoll regiert und zum Guten führt. Einen König unseres Willens. Dafür steht das königliche Gold.

 

3. Wir suchen einen, der uns hilft, mit Gott näher in Verbindung zu kommen.

Das Symbol für unsere Suche nach Gottesnähe ist der Weihrauch.

Weihrauch ist ein Harz, das beim Erhitzen einen wohlriechenden Duft verbreitet. Weihrauch wurde in Israel vor allem im Gottesdienst verwendet. Einzelne Weihrauchmischungen durften im Tempel nur von den Priestern verwendet werden. Weihrauch ist ein Symbol des Gottesdienstes und drückt die Beziehung zwischen Gott und uns aus.

Wer sich um Glauben bemüht, liebe Mitchristen, hat immer auch den Wunsch, Gott näher kennen zu lernen. Vieles an ihm ist uns fremd, unbekannt, dunkel. Es geschieht so vieles in der Welt, das wir mit unserem Bild vom lieben den Gott nicht in Einklang bringen können.

Wir würden ihn so gerne fragen: Warum? Warum das Leiden? Warum die Kriege? Warum die leeren Kirchen und die vielen Menschen, die nicht mit uns gemeinsam auf dem Weg sind?

In dem Krippenkind, liebe Gemeinde, ist uns Gott so nahe gekommen, dass wir ihn ansehen können. Im Wanderprediger von Nazareth ist uns Gott so nahe gekommen, dass wir seine Worte hören und sein Handeln beobachten können.

Es ist der Weg eines Mahners gewesen. Der Weg eines, der heilen konnte. Der Weg eines, der den Menschen die Liebe Gottes spürbar nahe bringen wollte. Der Weg von der einfachen, menschlichen Geburt zum schweren, schmerzhaften Tod am Kreuz.

Darin, Ihr Lieben, können wir Gott nahe kommen. Darin können wir ihn finden und begreifen: Gott steht auf der Seite der Leidenden, der Warmherzigen, der Helfenden. Und genau da gehören auch wir hin!

Christus sagt zu uns dieselben Worte wie damals zu seinen Jüngern: „Du aber folge mir nach!“ Dafür steht der Weihrauch.

Liebe Mitchristen, brauchen wir mehr auf unserer Suche nach Christus? Wenn wir uns vergeben lassen, Christus in unseren Herzen regieren lassen und seinem Ruf „Du aber folge mir nach!“, dann haben wir ihn schon gefunden.

Und sind bestens begleitet auf unserem Weg. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

© Dorothea Zager

 

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