Friedrichsgemeinde Worms
Friedrichsgemeinde   Worms

Abschied von Jutta Herbert aus der Magnus/Matthäusgemeinde

Pfarrerin Jutta Herbert wird ab März 2021 die Nachfolge von Dekan Pfr. Harald Storch antreten und neue Dekanin unseres Dekanats Worms-Wonnegau sein.

 

Am 17. Januar 2021 hätte unsere uns so lieb gewordene Kollegin eigentlich in einem Abschiedsgottesdienst aus ihrem Dienst in der Magnus/Matthäusgemeinde verabschiedet und bedankt werden sollen.

 

Angesichts der extrem hohen Inzidenzzahlen in Worms musste dieser Gottesdienst als Präsenzgottesdienst leider abgesagt werden.

 

Hier können Sie den Gottesdienst lesen, den Jutta Herbert für diesen Tag vorbereitet hatte:

1. Andacht im erneuten Lockdown der Corona-Pandemie
für den 2. Sonntag nach Epiphanias, 17. Januar 2021

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ Gen 12,2

Sie sind eingeladen, um 10.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.
So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls heute Morgen diese Andacht lesen
.

Musikalische Einstimmung

Johann Sebastian Bach, „Jesu meine Freude“ aus der Kantate BWV 227, Vocalconsort Berlin unter der Leitung von Daniel Reuss

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangspsalm

Wenn Sie diesen Gottesdienst zu zweit feiern, können Sie den Psalm im Wechsel beten:

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!

Dient dem Herrn mit Freuden,
kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.

Erkennet, dass der Herr Gott ist!

Er hat uns gemacht
und nicht wir selbst zu seinem Volk
und zu Schafen seiner Weide.

Denn der Herr ist freundlich,
und seine Gnade währet ewig
und seine Wahrheit für und für.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

Guter Gott, aufgrund der momentanen Situation ist es uns erneut nicht möglich einen gemeinsamen Gottesdienst in Kirchen und Gemeindehäusern zu feiern.

Und doch spüre ich vor allem im Gebet eine enge Verbindung mit Dir und all den anderen betenden Menschen.

Trotz der Isolation, die zurzeit von uns gefordert wird, sind wir nicht alleine.

Wir können unsere Verzweiflung und unser Bitten vor Dich bringen, wie es auch Jesus Christus getan hat. Amen.

Lesung und Predigttext 1. Mose 12,1-2

Der Herr sprach zu Abraham: “Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und ich will dich segnen, und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

Lied
„Du Morgenstern, du Licht vom Licht“

EG 74,1-4
An der Orgel: Volker Oertel (Kantor am Münster St. Georg, Dinkelsbühl)

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht,

das durch die Finsternisse bricht,

du gingst vor aller Zeiten Lauf

in unerschaff‘ner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir,

auf dich, Lebend‘ger, hoffen wir;

denn du durchdrangst des Todes Nacht,

hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ew‘ge Wahrheit, Gottes Bild,

der du den Vater uns enthüllt,

du kamst herab ins Erdental

mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,

führ uns durch Finsternis zum Licht,

bleib auch am Abend dieser Welt

als Hilf und Hort uns zugesellt.

Altarraum der Magnuskirche - Foto: R. Uhrig

Kurzpredigt

Liebe Gemeinde, ich denke an den Abschied vom vergangenen Jahr und die vielfach gesprochenen Worte: „Ein gutes neues Jahr!“

Gute Wünsche sind mit diesen Worten gemeint. Verabschieden geht ja oft mit dem Aussprechen von guten Wünschen einher, nicht nur, wenn wir in ein neues Jahr beginnen.. Ein „Mach’s gut!“ gehört immer dazu. Ob ein Besuch nach einem schönen Essen oder einem schönen Tag sich verabschiedet, der Wunsch nach dem „Bis bald!“ ist uns selbstverständlich und gerade dies vermissen wir im Moment sehr.

Denn bestärkt und mit Kraft ausgestattet können dann die ihres Weges gehen, über denen solche guten Wünsche ausgesprochen. Die Bibel nennt einiges von dem, was dabei geschieht, gesegnet sein.

Die Abschiedsrituale in unserem Alltag sind wichtig, denn um die Gefahren auf den verschiedenen Wegen wissen wir nur zu gut. Und gerade angesichts der Gefährdung unseres Lebens bedürfen wir des Segens, des Zuspruchs. Und in dem Zuspruch spüren wir, dass uns Lebenskraft zuwächst und erleben Gutes, ja mehr noch, wir erleben Segen, der sich nicht in einem guten Wunsch erschöpft, sondern umfassender ist. Segen, den wir als ganzheitliches, umfassendes Aufgehoben- und Bewahrtsein erleben - der uns umgreift, der uns Gutes zukommen lässt, das uns ganz erfüllt.

Ein ganzer Reichtum von Segensworten und auch Segenshandlungen begegnet uns in der Bibel. Auch der Predigttext heute aus dem 1. Mosebuch spricht von Segen beim Abschied. Gott segnet Abraham.

Abraham soll sich auf den Weg machen in ein anderes Land.

Für einen Nomaden, wie Abraham es wohl war, ist es eigentlich kein besonderes Ereignis. Nomaden ziehen ja selbstverständlich mit ihren Herden und ihrem Haushalt von Weideplatz zu Weideplatz. Das ganze Leben ist für sie Bewegung und Weg. Für den Nomaden Abraham führt Gottes Aufforderung aber doch weiter. Weg von dem Land der Väter an einen neuen Ort, den Gott selbst zeigen wird. Weg von dem, was vorher war zu einem neuen Anfang. Dafür wird Abraham nicht nur zum Aufbruch gerufen, sondern Gott hält mehr bereit: Segen. Wie in kaum einem anderen Text der Bibel häuft sich hier dieses eine Wort.

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ „Ich will segnen, die dich segnen.“ „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Von Abraham soll Segen für die Menschheit ausgehen - bis heute. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Wann sind Sie in Ihrem Leben gesegnet worden, wann und wie haben Sie Segen erlebt?

Seit den Tagen der ersten christlichen Gemeinden haben sich viele unterschiedliche Segensrituale entwickelt. Sie alle treten auf an den Schwellen unseres Lebens, dort wo wir Abschied nehmen von einem Lebensabschnitt und in eine neue Zeit hinüber gleiten. Der Segen bei der Kindertaufe begrüßt das Baby im Leben und soll ihm Kraft geben für das Leben. Der Konfirmationssegen begleitet Jugendliche bei dem Übergang zum Erwachsenwerden .Der Trausegen wird zugesprochen für das gemeinsame Leben. Segen empfangen die Trauernden, wenn sie von einem Menschen aus ihrem Kreis Abschied nehmen. Gesegnet wird ein Verstorbener für sein Überschreiten der Schwelle des Todes wieder hin zum Leben, zur Auferstehung, an die wir glauben.

Ich selbst denke gerne an die vielen Anlässe, zu denen ich hier die schöne Aufgabe hatte, den Segen Gottes weiterzugeben – den Segen, durch den sich Menschen behütet und gestärkt erfahren haben. Aber auch ich selbst habe hier viel Segen empfangen. Von ganz grundlegender Bedeutung war dabei der Segen, der mir bei meiner Ordination und dann, 3 Jahre später, bei meiner Einführung als Inhaberin der Pfarrstelle zugesprochen wurde.

Im Rückblick auf meine 25 Jahre als Gemeindepfarrerin stehen mir viele Erfahrungen von Segen und Gesegnetsein vor Augen – nicht nur bei diesen großen und bedeutenden Ereignissen. Wie oft sind Begegnungen im Kleinen, Zeichen der Unterstützung, die geistliche Verbundenheit und der gemeinsame Einsatz für andere Menschen mir und anderen zum Segen geworden. Und es ist auch ein Segen, mit allen Stärken und Schwächen zusammen zu stehen und getragen zu sein.

Für all diese Weggemeinschaftauch in Verbundenheit mit den anderen Gemeinden bin ich von Herzen dankbar. Und zugleich traurig, dass diese nun als Pfarrerin endet.

Was mich aber tröstet, ist, dass uns die Zusage unseres Gottes, dass uns die Verbundenheit unter seinem Segen auch in Zukunft verbinden wird – wie auch immer unsere Wege weitergehen werden.

In dem Buch „Teilt den großen Segen“ von Albert Dexelmann finden sich Worte zum Abschied aus der Gemeinde, die ich zum Abschluss mit Ihnen teilen möchte:

„Gott segne diesen Ort. Hier durfte ich heilsame Erfahrungen machen. Den fruchtbaren Acker finden für sein Wort. Hören auf die Sorgen von vielen. Das Glück mit manchen diesem geheimnisvollen Gott verdanken. Vielfältige Freude ihm still zurückgeben. Oder in alten und neuen Liedern. Gott, der allmächtige Vater, segne die Herzen in der Begegnung. In der Elternschaft. In der Freundschaft. Geschwisterlichkeit. In der Partnerschaft. In den Gruppen und Nachbarschaften. Im treuen Gedächtnis. Im Abschied. Im Neuanfang. Er sage euch sein gutes Wort.“

So segne uns alle der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Lutherdenkmal in Worms - Foto: R. Uhrig

Lied „Vertraut den neuen Wegen“

EG 395,1-3
An der Orgel: Volker Oertel (Kantor am Münster St. Georg, Dinkelsbühl)

1. Vertraut den neuen Wegen

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen

am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen

in das gelobte Land.

2. Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

3. Vertraut den neuen Wegen,

auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen.

Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen

in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen.

Das Land ist hell und weit.

Fürbitten

Guter Gott, immer wieder müssen wir sichere Pfade verlassen und neue suchen.

Gott, wir bitten dich, leite uns auf diesen neuen Pfaden, sei unser Wegbereiter.

Schenke uns deinen Segen.

Wir bitten Dich für alle diejenigen , denen das Leben gerade sehr schwer ist. Sei Du bei und mit Ihnen.

Vater unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott, Du bist die Kraft aus dem Leben und Hoffnung entspringt,
segne die Menschen um uns herum.

Segne uns mit Kraft, Geduld und Zuversicht.

Öffne uns den weiten Raum noch unbekannter Zukunft und leite unsere Schritte. Amen.

Musikalischer Ausklang

Johann Sebastian Bach, gespielt von Lucas und Arthur Jussen – Bach: „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV 147 (für zwei Flügel bearbeitet von A. Hess)

Unseren nächsten Online-Gottesdienst feiern wir am 24. Januar 2021.

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