20. Sonntag nach Trinitatis

Abendgottesdienst nach Taizé

Thema:
Gott ist tröstend wie eine Mutter.
(Jes 66,13)

Bitte stellen Sie sich für diesen Gottesdienst drei Kerzen zurecht. Auch wir in der Friedrichskirche zünden während des Abendgottesdienstes im Zuge des Eingangsvotums drei Kerzen nacheinander an.

Abkürzungen:

L =                  Liturg/in

G =                 Gemeinde (alle)

S1/2/3 =          Sprecher/in 1/2/3 (Lektoren)

 

Sollten Sie als Familie oder im Freundeskreis diesen Gottesdienst feiern, können diese Textstellen mit verteilten Rollen gelesen werden.

Wenn Sie diesen Onlinegottesdienst alleine feiern, sprechen/lesen Sie bitte alle Texte fortlaufend.

 

Instrumentalmusik aus Taizé

Liedtext:
Christus spricht: „Frieden, Frieden Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz verzage nicht!“

Frieden Frieden.mp3
MP3-Audiodatei [8.2 MB]

Zur Einstimmung

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
Seien Sie alle herzlich willkommen zu unserem Abendgottesdienst.

Wir beschäftigen uns in diesem Jahr ja mit den Gottesbildern im Alten Testament. Heute haben wir ein ganz besonderes – ein seltenes Bild für Gott: das Bild der Mutter.

Wissen Sie, warum ich selbst den Muttertag nicht mag?

Weil da unsere Kinder oder unsere schon erwachsenen Kinder gezwungen werden, uns für alles Mögliche zu danken, was eigentlich gar nicht das Wichtigste am Muttersein ist: für’s Kochen und für’s Backen, für die Wäsche und für das saubere Zuhause ... aber dabei ist das doch für eine Frau, die mit Leib und Seele Mutter ist, garnicht das Wichtigste.

Was ist das Wichtigste an der Mutterliebe?

Ganz sicher nicht der Service im Hotel Mama, sondern das, was sie uns an Liebe geben, an Geborgenheit und Nähe.

Daran sollten wir heute denken, wenn wir der Frage nachgehen: Was ist es, was wir an Gott mit einer Mutter vergleichen können?

Lassen Sie uns unseren Abendgottesdienst mit unserem Lobpreis beginnen:

L Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen!

G Woher kommt mir Hilfe?

S1 Meine Hilfe kommt von Gott,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Taizé - Nada te turbe.mp3
MP3-Audiodatei [11.1 MB]

Eingangsvotum

Wenn Sie diesen Onlinegottesdienst alleine feiern, sprechen Sie bitte alle Texte hintereinander:

S1 Ich zünde ein Licht an im Namen Gottes des Vaters,

er hat die Welt erleuchtet

und den Atem des Lebens in mich gehaucht.

Zündet ein erstes Licht an.

S2 Ich zünde ein Licht an im Namen Jesu Christi,

des Gotteskindes

er hat die Welt errettet

und seine Hand nach mir ausgestreckt.

Zündet ein zweites Licht an.

S3 Ich zünde ein Licht an im Namen der Kraft des Heiligen Geistes.

Sie umfasst die Welt und heiligt mein Leben mit Sehnsucht.

Zündet ein drittes Licht an.

Psalm

Wenn Sie diesen Onlinegottesdienst alleine feiern, sprechen Sie bitte alle Texte hintereinander:

 

Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen lässest sterben

und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor dir / wie der Tag, der gestern vergangen ist,

und wie eine Nachtwache.

Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, / sie sind wie ein Schlaf,

wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

das am Morgen blüht und sprosst

und des Abends welkt und verdorrt.

Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,

wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben währet siebzig Jahre,

und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,

auf dass wir klug werden.

Herr, kehre dich doch endlich wieder zu uns

und sei deinen Knechten gnädig!

Fülle uns frühe mit deiner Gnade,

so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

Psalm 90,1-13

Taize Laudate omnes gentes.mp3
MP3-Audiodatei [8.8 MB]

Gedanken zum Thema 1

Vor ein paar Wochen besuchte ich eine alte Dame in einem unserer Altenheime. Sie hatte keine Angehörigen mehr und zeigte Anzeichen von Demenz. Sie war sehr unruhig und niedergeschlagen. Sie wusste nicht, wo sie war. Ich versuchte, sie zu beruhigen. Um sie abzulenken, fragte ich: An wen erinnern Sie sich denn gerne? An wen denken Sie häufig zurück? Ich erwartete, dass sie mir etwas von ihrem Mann oder ihren Söhnen erzählen würde. Aber nein. Auf einmal sah sie mich mit leuchtenden Augen an und sagt: „Meine Mutter! Meine Mutter war eine Perle!“

Ich denke, sie sehnte sich nicht nach ihrer Mutter als erwachsene Frau, die sie vermutlich bis zum Tod begleitet hat. Ich denke, in der Unsicherheit und Hilflosigkeit, in der sie sich jetzt als alte Frau befand, sehnte sie sich nach der Mutter, die bei ihr war, als sie klein war. Die sie auf den Arm genommen hat. Bei der sie sich auf dem Schoß zusammenrollen konnten. Die Mutter, die in der Nacht kam und die Ängste vertrieb, die Mutter, deren Hand sie greifen konnte, so dass sie sich sicher und geborgen fühlte, auch wenn alles herum unsicher und unbekannt war.

Ich lade Sie zu einer ersten Stille ein. Erinnern Sie sich heute einmal an Ihre Mutter, was diese Frau Ihnen gegeben hat und was sie Ihnen bedeutete.

Stille

 

Biblische Lesung: Jesaja 66,10-14

Wir hören aus dem Buch des Propheten Jesaja im 66. Kapitel:

 

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!

Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.

Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach.

Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an denen, die ihn lieben, und seinen Zorn an seinen Verächtern.

Stille

 

Gedanken zum Thema 2

Gott wie eine Mutter: Dieses Bild rührt tiefe Gefühle an. Die Sehnsucht nach Geborgenheit tragen alle Menschen in sich. Und doch erscheint es fremd, Gott als Mutter zu bezeichnen.

Herr, unser Gott, Herrscher, Vater – diese Worte prägen unsere Hör- und Sprachgewohnheiten in unserem Glauben von klein auf.

Jesaja hat Gott anders gedacht. Er hat Gott mit – für uns eher mütterlichen – Eigenschaften verbunden, mit Trost und Zuwendung, mit Nähe und Hoffnung.

Spüren Sie dem einmal nach in einer zweiten Stille:

Erinnern Sie sich: Kenne ich Situationen, an denen ich Gott erlebt habe als den, der mir Hoffnung und Trost gibt? Der mir Nähe und Zuwendung schenkt?

Stille

Sanctus Kanon.mp3
MP3-Audiodatei [1.5 MB]

Gebet

Lieber Vater,

hilflos und ratlos stehen wir vor dir in diesen Tagen. Hatten wir doch so sehr gehofft, dass wir vor einer zweiten Corona-Welle verschont blieben.

Nun aber ist die Corona-Bedrohung wieder da – schlimmer und größer denn je.

Früher, als wir noch klein waren, haben wir uns mit unseren Ängsten in den Schoß unserer Mutter geflüchtet.

Heute fliehen wir zu Dir. Du bist uns Vater und Mutter zugleich. Dir vertrauen wir, dass Du unsere Tränen trocknest und uns wieder Hoffnung schenkst.

Wir bitten Dich:

Lass uns nicht Schuldige suchen oder mit Fingern auf diejenigen zeigen, die unserer Meinung nach dafür verantwortlich sind, dass das Virus sich erneut unter uns ausbreitet.

Bewahre uns vor Verschwörungstheorien und Hetze gegen unsere Regierung – sondern mache uns alle besonnen und vorsichtig.

Lass uns nicht alleine in diesen schwierigen Tagen, sondern nimm uns in Deine mütterlichen Arme.

Schenke uns Geborgenheit und Schutz und zeige uns den richtigen Weg. Amen.

Und in der Stille bringen wir vor Gott, was uns persönlich bewegt:

Gebetsstille

Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel,

so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte

Wenn Sie diesen Onlinegottesdienst alleine feiern, sprechen Sie bitte alle Texte hintereinander:

L In deine Hände gebe ich meinen Geist,

du hast mich erlöst.

G Unser Gott im Himmel,

festige dein Reich für immer

und walte über uns auf ewig.

S1 Er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels

S2 Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende

Gewähre uns der gütige und menschenfreundliche Gott,

S3 der Vater und der Sohn und der heilige Geist.

G Amen.

Instrumentalmusik aus Taizé

Mein schönste Zier und Kleinod bist

Mein schönste Zier und Kleinod bist - Choral
03 Mein schoenste Zier.mp3
MP3-Audiodatei [5.7 MB]

Liedtext zum Mitlesen/Mitsingen:

 

1. Mein schönste Zier und Kleinod bist
auf Erden du, Herr Jesu Christ;
dich will ich lassen walten
und allezeit
in Lieb und Leid
in meinem Herzen halten.


2. Dein Lieb und Treu vor allem geht,
kein Ding auf Erd so fest besteht;
das muß ich frei bekennen.
Drum soll nicht Tod,
nicht Angst, nicht Not
von deiner Lieb mich trennen.

 

3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht
und hält gewiß, was es verspricht,
im Tod und auch im Leben.
Du bist nun mein,
und ich bin dein,
dir hab ich mich ergeben.

 

4. Der Tag nimmt ab. Ach schönste Zier,
Herr Jesu Christ, bleib du bei mir,
es will nun Abend werden.
Laß doch dein Licht
auslöschen nicht
bei uns allhier auf Erden.


Text: bei Johannes Eccard 1598
Melodie: Leipzig 1573, bei Seth Calvisius 1594

Den nächsten Onlinegottesdienst feiern wir am Sonntag, 22. November 2020, dem Ewigkeitssonntag.

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