Friedrichsgemeinde Worms
Friedrichsgemeinde   Worms

Sonntag Reminiscere - Abendgottesdienst mit Gesängen aus Taizé

„Vom Unkraut unter dem Weizen."
(Lukas 6,47-49)

Auch in Zeiten der Coronapandemie feiert die Friedrichsgemeinde jeden letzten Sonntag im Monat einen meditativen Abendgottesdienst.

Sie finden ihn hier als Lesefassung
und hier als Videofassung.

Abkürzungen:

L =          Liturg/in

G =          Gemeinde (alle)

S1/2/3 =  Sprecher/in 1/2/3 (Lektoren)

Musik zum Eingang

De Noche.mp3
MP3-Audiodatei [1.9 MB]

Begrüßung

Guten Abend, liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
Seien Sie alle herzlich willkommen zu unserem Abendgottesdienst.

Unser neues Jahresthema „Die Gleichnisse Jesu“ führt uns heute in den Garten.

Die herrliche Frühlingssonne lockt Sie vermutlich auch schon nach draußen. Und wir freuen uns über die kleinen gelbleuchtenden Winterlinge und die anmutigen Schneeglöckchen. Und hoffnungsvoll schauen wir schon einmal dahin, wo wir im Herbst die Zwiebeln von Tulpen und Osterglocken vergraben haben. Wie groß ist dann die Freude, wenn sich schon die ersten Spitzen zweigen oder gar schon Knospen zu entdecken sind!

Und eines entdecken wir auch immer gleich: Sobald der Frost überwunden ist, erfreut sich das liebe Unkraut neuen Lebens. Und erfreut uns weniger.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen nimmt genau das auf: unsere Freude über das, was von uns gewollt wächst, und unseren Unmut über das allgegenwärtige Unkraut.

So hören wir heute auf Worte aus dem Gleichniskapitel des Matthäusevangeliums, wo uns diese Freude über den Weizen und der Unmut über das Unkraut zum Bild unseres Lebens uns Glaubens wird.

Wie, als würden wir diesen Abendgottesdienst in unserer Kirche feiern, beginnen wir ihn mit unserem Lobpreis beginnen:

Frauen: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen!

Männer: Woher kommt mir Hilfe?

Frauen: Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.

Nichts soll dich ängstigen

dreimal zu singen.

Taizé - Nada te turbe.mp3
MP3-Audiodatei [11.1 MB]

S1

Ich zünde ein Licht an im Namen Gottes des Vaters,

er hat die Welt erleuchtet

und den Atem des Lebens in mich gehaucht.

Zündet ein erstes Licht an.

S2

Ich zünde ein Licht an im Namen Jesu Christi,

des Gotteskindes

er hat die Welt errettet

und seine Hand nach mir ausgestreckt.

Zündet ein zweites Licht an.

S3

Ich zünde ein Licht an im Namen der Kraft des Heiligen Geistes.

Sie umfasst die Welt und heiligt mein Leben mit Sehnsucht.

Zündet ein drittes Licht an.

 

Sende dein Licht und deine Wahrheit

dreimal hintereinander im Kanon zu singen.

Psalm 8 in Auswahl

Wenn Sie diesen Gottesdienst zu zweit feiern, sprechen Sie den Psalm bitte im Wechsel:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist
dein Name in allen Landen,
der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:

Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Laudate omnes gentes

dreimal hintereinander im Kanon zu singen

(Lobt alle Völker den Herrn!)

Taize Laudate omnes gentes.mp3
MP3-Audiodatei [8.8 MB]

Mein Lebensgarten

Unser Garten ist auch ein Sinnbild für unser Leben.

Da wächst Großes und Starkes genauso wie Kleines und Zartes. Menschen, die uns Halt geben und Schutz. Menschen, die aber eher unsere Hilfe und unsere Unterstützung brauchen.

Manche Pflanze bringt Frucht und kann uns sättigen. Manche Pflanze blüht auch einfach nur und macht uns mit Farben und Düften einfach nur Freude. Menschen, die uns tatsächlich versorgen, verwöhnen und uns helfen. Und andere, die einfach nur da sind und uns Freude machen durch ihre Art zu Lachen, zu Erzählen oder zu Ermutigen.

Und es wächst im Lebensgarten leider auch Unkraut, das uns einfach nur nervt. Und es soll bitte niemand sagen, dass Unkraut nicht Unkraut sei, sondern Bei-Kraut. Für mich ist es dasselbe. In jedem Leben gibt es Menschen, die uns Mühe machen. Die uns provozieren oder ärgern.

In einer ersten Stille bitte ich Sie einmal der Frage nachzugehen:

Was glauben Sie, wer in diesem Gleichnis mit Weizen gemeint ist?

Und wer das Unkraut verbildlichen soll?

Gibt es Menschen in Ihrem Leben, die Sie lieben und die Sie am liebsten immer um sich hätten?
Und gibt es Menschen, die Sie am liebsten ausjäten würden aus Ihrem Leben? Aus der Gegenwart oder aus der Vergangenheit?

Stille

Biblische Lesung Matthäus 13,24-30: Vom Unkraut unter dem Weizen

Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach:

Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.

Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.

Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut.

Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?

Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan.

Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten?

Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

dreimal zu singen

Ein Gleichnis für die Kirche und das Reich Gottes

Dieses Unkraut, von dem in unserem Gleichnis erzählt wird, muss ich Ihnen erst einmal genauer beschreiben: Genau genommen heißt die Pflanze „Taumellolch“ oder „Tollkorn“. Es handelt sich um eine giftige Grasart, die in Palästina auf Weizen­feldern vorkommt. Die Halme wachsen 60 bis 70 Zentimeter hoch und sind äußerlich von Weizenpflanzen kaum zu unterscheiden. Das macht diesen Tollkraut so besonders gefährlich.

Martin Luther hat das einfach mit „Unkraut“ übersetzt, denn er wollte ja Worte wählen, die allgemein bekannt sind. So kommt es, dass wir diese Geschichte als „Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen“ kennen. Aber das „Unkraut“ ist mehr als nur Beikraut – es ist tödliches Kraut.

Mit seinen Gleich­nissen will Jesus uns die Augen öffnen über Gott und sein Reich. Das geht beim Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen auch ziemlich gut, weil Jesus seinen Jüngern später eine Verständnishilfe für dieses Gleichniss gegeben hat. Er hat ihnen erklärt, wer oder was in diesem Gleichnis die einzelnen Elemente bedeuten. (Wenn Sie Lust haben, dann lesen Sie diese Erklärung einmal nach in Matthäus 13, ab Vers 36.)

Meine Frage für die zweite Stille ist aber nun diese: Wenn nun unsere Kirche mit dem Garten gemeint ist, wer sind für Sie die Menschen, die Ihnen guttun? Die Sie gerne um sich herum haben? Mit denen Sie gerne beten, singen und sich in der Gemeinde engagieren?

Und nun mal ganz ehrlich – auch solche Gedanken dürfen gedacht werden: Welche Menschen haben Ihrer Meinung nach in unserer Kirche keinen Platz? Gibt es Menschen, die Sie am liebsten ausjäten würden?

Stille

Ein Gleichnis für Gottes Geduld

Was für eine Frage! Dürfen wir so etwas überhaupt denken, welche Menschen in unserer Kirche keinen Platz haben und ausgejätet gehören?

Ganz ehrlich: Wir denken es doch sowieso. Wir kennen schon den einen oder die andere Christin, von denen wir denken: Was ist daran eigentlich noch christlich!?

Genauso denken Jesu Jünger auch. Sie meinen: Das Unkraut muss sofort ausgejätet werden, bevor es mit dem Weizen zusammen groß wird. Jesus mahnt aber zur Geduld.

In seiner Erklärung dieses Gleichnisses deutet Jesus ganz klar auf das Kommen des Reiches Gottes am Ende der Zeit. Dann wird – ja, dann muss! – so gedacht werden: Wer ist der Weizen und wer ist das Tollkraut? Nur ist das nicht unsere Aufgabe.

Die Knechte, die zum Schluss die Ernte einbringen, hat Jesus in seiner Erklärung identifi­ziert: Es sind die Engel, die beim Jüngsten Gericht sozusagen als Gerichts­diener und Urteils­vollstrecker auftreten. Ferner hat Jesus gesagt, dass der Acker die Welt ist. Tollkraut und Weizen sind ver­schiedene Menschen; die Weizen­menschen wurden von Jesus selbst ausgesät, die Tollkraut-Menschen vom Bösen. Der Herr und Besitzer des Feldes ist selbst­verständlich der Vater im Himmel. Die Ernte ist der Jüngste Tag, die Verbrennung der Tollkraut-Bündel ist die ewige Verdammnis, die Scheune für den Weizen aber ist die ewige Seligkeit.

Für uns heutige Christen heißt das also: Geduld haben. Wenn Gott Geduld hat mit unserer Welt und unserer Kirche – dann müssen wir es auch!

Lasst das Reich Gottes erst einmal wachsen. Den Weizen zusammen mit dem Tollkraut.

Es ist nicht unsere Aufgabe, zu richten zwischen Guten und Bösen. Sondern dafür zu sorgen, dass so viel Weizen wie möglich wächst, und das wir dazugehören. Amen.

Stille

Sanctus

dreimal im Kanon zu singen.

(Übersetzung: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Zebaoth.)

Sanctus Kanon.mp3
MP3-Audiodatei [1.5 MB]

Gedenken an unsere Verstorbenen

In diesem Abendgottesdienst wollen wir an vier Gemeindeglieder denken, die wir in der vergangenen Woche zur letzten Ruhe bestattet haben:

Wir trauern mit den Angehörigen um Ruth Roswitha Rohde geb. Landmann, die am 24. Januar diesen Jahres im Alter von 90 Jahren in Gottes Geborgenheit heimgerufen wurde.

Wir trugen sie am 17. Februar auf dem Friedhof Hochheimer Höhe zu Grabe und hörten noch einmal auf die Worte ihres Konfirmationsspruches: Wer mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben. (Johannes 14,21)

Wir trauern mit den Angehörigen um Anna Magenheimer geb. Moos, die am 25. Januar diesen Jahres im Alter von 92 Jahren in Gottes Ewigkeit aufgehoben wurde.

Wir haben ihre Urne am 18. Februar auf dem Friedhof Hochheimer Höhe in Gottes Erde zurückgelegt und ließen uns trösten von der Verheißung Gottes aus 2. Mose 33,14:

„Gott spricht: Mein Angesicht soll Dir vorangehen; und ich will Dich zur Ruhe geleiten.“

Wir trauern mit den Angehörigen um Ella Molter geb. Schnarr, die am 24. Januar diesen Jahres im Alter von 92 Jahren ewige Ruhe bei Gott gefunden hat.

Wir haben sie am 18. Februar auf dem Friedhof Hochheimer Höhe ausgesegnet und ließen uns trösten von den Worten aus Psalm 62,2: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Wir trauern mit den Angehörigen um Sieglinde Hannelore Kawohl geb. Fink, die am 30. Januar diesen Jahres im Alter von 86 Jahren von Gott abgefunden wurde.

Wir haben sie am 19. Februar auf dem Friedhof Hochheimer Höhe bestattet und ließen uns trösten von den Worten aus Psalm 37,5: „Befiehl dem Herrn Deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird’s wohl machen.“

Gebet für unsere Verstorbenen

Barmherziger Gott,
Dir vertrauen wir unsere Verstorbenen an.

Du hast Roswitha Rohde, Anni Magenheimer, Ella Molter und Sieglinde Kawohl das Leben geschenkt und sie begleitet durch schöne und durch schwere Zeiten.

Sei du nun auch der, der sie durch den Tod hindurch in ein neues Leben führt und ihnen Geborgenheit schenkt, die niemals endet.

Schenke den Angehörigen und uns allen die Gewissheit, dass du uns einen neuen Himmel und eine neue Erde schenken wirst. Dann werden wir wieder vereint sein und dir unsere dankbaren Loblieder singen. Amen.

Gebet

Guter Gott,

wir bekennen Dir: Geduld ist nicht unsere große Stärke.

Am liebsten würden wir von heute auf morgen alles in Ordnung bringen.

Das Ende der Pandemie – die Wiederkehr unserer Freiheit unserer Lebensfreude: wie sehr wünschen wir uns das!

Das Ende aller Kriege und Auseinandersetzungen – der Weltfriede unter allen Völkern und Religionen: wie sehr wünschen wir uns das!

Ein Gesundwerden unserer Kirche. Das Ende von Kindesmissbrauch und deren Vertuschung. Das Ende kirchlicher Verwaltungshürden und das Aufleuchten neuer Lebendigkeit: wie sehr wünschen wir uns das!

Du aber mahnst uns zur Geduld. Das fällt uns schwer, Herr.

Deshalb bitten wir Dich: schenke uns Geduld und Liebe zu allen, denen wir begegnen, damit sie den Weg zu Dir finden.

Aber lass uns auch nicht zu lange auf das Kommen Deines Reiches warten. Unsere Geduld schwindet. Unsere Welt und unsere Kirche brauchen Deine Gerechtigkeit. Zeige uns Deine Macht und verändere diese Welt. Maranatha. Ja, komm, Herr Jesus. Amen.

Und in der Stille bringen wir vor Gott, was jede/n von uns persönlich bewegt:

Gebetsstille

Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel,

so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Dona nobis pacem

zweimal im Kanon zu singen.

(Gib uns Frieden!)

Und nun wollen wir miteinander um den Segen Gottes bitten:

 

Segensbitte

Frauen     
In deine Hände gebe ich meinen Geist,

du hast mich erlöst.

Männer
Unser Gott im Himmel,

festige dein Reich für immer

und walte über uns auf ewig.

Frauen
Er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels

Männer
Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende

Gewähre uns der gütige und menschenfreundliche Gott,

Frauen
der Vater und der Sohn und der heilige Geist.

Alle
Amen.

Musik zum Ausgang

Taizé - Frieden, Frieden.mp3
MP3-Audiodatei [9.5 MB]

Den nächsten Onlinegottesdienst feiern wir am Weltgebetstag, Freitag, 5. März 2021 um 19 Uhr.

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