Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020
Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020

Christi Himmelfahrt

„Christ-guck-in-die-Luft?“

Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt 2020,
von Dorothea Zager,
Pfarrerin der Friedrichsgemeinde Worms

Sie sind eingeladen,
um 10.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.
So verbinden Sie sich mit all denen,
die ebenfalls heute Morgen diesen Gottesdienst feiern.

Musik zur Einstimmung

Johann Sebastian Bach,
Himmelfahrts-Kantate BWV 11, 1. Chor „Lobt Gott in seinen Reichen“

Wochenspruch:

Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

Eingangslied

EG 269,1-3: Christus ist König, jubelt laut

(auf die Melodie: Gelobt sei Gott im höchsten Thron, EG 103)

Eingangsvotum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Eingangspsalm 47
mit Lied EG 119
im Wechsel

Wenn Sie die Andacht zu zweit feiern, können Sie diesen Psalm im Wechsel lesen.

1. Gen Himmel aufgefahren ist, Halleluja,
der Ehrenkönig Jesus Christ. Halleluja.

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!
Gott fährt auf unter Jauchzen,
der Herr beim Hall der Posaune.

2. Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja,
herrscht über Himmel und alle Land. Halleluja.

Lobsinget, lobsinget Gott,
lobsinget, lobsinget unserm Könige!
Denn Gott ist König über die ganze Erde;
lobsinget ihm mit Psalmen!

4. Drum jauchzen wir mit großem Schalln, Halleluja,
dem Herren Christ zum Wohlgefalln. Halleluja.

Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;

5. Der Heiligen Dreieinigkeit, Halleluja,
sei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja.

Gott gehören die Starken auf Erden;
er ist hoch erhaben.

Ehr‘ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebet

Gott, Atem des Lebens,

wir sind Teil deines Himmels und deiner Erde.

Du kennst uns:

Manchmal wachsen wir himmelwärts,

manchmal sinken wir erdenschwer.

Zufrieden und sehnsüchtig,

schwach und stark,

suchend und ahnend,

alt und jung –

so sind wir da, vor dir.

In unserm Singen und Beten

werde uns dein Himmel und deine Erde neu:

Das bitten wir dich im Namen Jesu Christi. Amen.

Schriftlesung

Himmelfahrt Christi (Apostelgeschichte 1,3-12a)

Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. Da kehrten sie nach Jerusalem zurück.

Musik zur Besinnung

Théodore Dubois, In Paradisum, Nr. 9 aus: 12 Pièces Nouvelles pour orgue, 1893

14 Pièces Nouvelles (12) for organ- In p[...]
Windows Media Music-Datei [3.5 MB]

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, diesem wunderbaren Orgelstück zu lauschen, in dem Théodore Dubois versucht, die Vollkommenheit des himmlischen Paradieses mit Musik auszudrücken.

Mit einem Rechtsklick auf das Himmelsfoto, können Sie es vergrößern und dabei betrachten.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel,

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters,

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten,

und das ewige Leben. Amen.

Lied vor der Predigt

EG 165,1-2: Gott ist gegenwärtig

EG 165,1-2 Gott ist gegenwärtig.mp3
MP3-Audiodatei [3.7 MB]

Predigt
über Apostelgeschichte 1,3-12a

In den Himmel gucken, ist doch etwas ganz herrliches!
Bestimmt haben Sie das als Kind auch gerne gemacht:

Im Urlaub oder in den Ferien auf dem Rücken liegen und in den Himmel gucken. Die Wolken beobachten. Und dann sich irgendwelche Bilder ausdenken: Das sieht aus wie ein Hund. Und da reitet einer auf einem Pferd. Das da könnte ein Haus sein – und das da ein Herz.

Herrlich, solche Luftschlösser zu bauen. Wohl dem Kind, das das früher machen durfte – und nicht gleich gerufen wurde, zum Klavier zu üben oder zum Abtrocknen.

Und wohl dem Erwachsenen, der das nicht verlernt hat. Und der sich – wenn vielleicht auch heimlich – heute noch ab und zu auf den Rücken legt und in den Himmel schaut, sich die Wolken betrachtet und Luftschlösser baut.

Aber halt! Wie hieß es doch gleich im guten alten Struwwelpeter:

„Wenn der Hans zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, das sah der Bursche nicht,
Also dass ein jeder ruft:
‚Seht den Hans Guck-in-die-Luft!’“

Oja, die Geschichte kennen wir. Und wir wissen auch, wohin sie am Ende führt:

„Also dass er kerzengrad
Immer mehr zum Flusse trat.
Und die Fischlein in der Reih'
Sind erstaunt sehr, alle drei.
Noch ein Schritt! und plumps! der Hans
Stürzt hinab kopfüber ganz!“

So geht es halt, wenn man nicht schaut, wo man lang geht, dann fällt man irgendwann einmal zumindest auf die Nase, wenn nicht gar, wie der Hans Guck-in-die-Luft, hinab in den Graben.

„Schau, wo du hintrittst!“ sagt man einem Kind deshalb nicht umsonst immer wieder. Weil die Kleinen gerne träumen, in den Himmel gucken oder sonst wohin – nur nicht auf die Straße oder auf die rote Ampel. Und wenn ich es mir recht überlege, dann wäre es gut, wenn auch uns Erwachsenen manchmal einer sagt: „Schau, wo Du hintrittst! Guck nach vorn!“

Die heutige Lesung zumindest die scheint mir genau dies zu tun. Sie erinnern sich an die Männer in den weißen Gewändern und das was sie am Himmelsfahrtstag den Jüngern zugerufen haben: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

Als ob sie uns sagen wollten: Schaut auf den Boden, schaut wo ihr hintretet. Denn wer dauernd in die Wolken starrt, der fällt am Ende wie der Hans Guck-in-die-Luft auf die Nase! Deshalb: Schaut nicht auf den Himmel, schaut auf den Boden!

Mag sein, dass der ein oder die andere jetzt am liebsten einwerfen würden: „So kann das ja aber wirklich nicht stimmen! Ein Christ muss doch auf den Himmel blicken.“ Wir müssen doch unser eigentliches Ziel in den Blick nehmen.

Alle Welt schaut doch nur auf irgendwelche Ziele, die einzig und allein in diesem Leben eine Rolle spielen, die sozusagen vor den Füßen liegen: auf irdischen Profit, auf Glanz und Glamour, auf ein Werbung vorgegaukeltes falsches weil allzu kurzfristiges Glück.

Da ist es doch gerade deshalb unsere wichtigste Aufgabe als Christen, den Himmel in den Blick zu nehmen und nicht das Irdische!

Die Bibel ist voll von diesen Gedanken. Und immer wieder werden wir daran erinnert. Nur zwei Beispiele:

Jesus sagt in der Bergpredigt: Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie vernichten und Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie vernichten, noch Diebe einbrechen und sie stehlen. (Mt 6,19+20)

Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: Brüder und Schwestern, das ist ganz sicher: Menschen aus Fleisch und Blut können nicht in Gottes neue Welt gelangen. Ein vergänglicher Körper kann nicht unsterblich werden. (1. Kor 15,53)

Ein Christ, das muss doch einer sein, der zum Himmel schaut, oder nicht?

Ja es stimmt. „Den Himmel im Blick haben“ heißt: wir haben für unser Leben eine klare Orientierung und ein klares Ziel. Wir haben einen Herren in unserem Herzen, der uns seinen Willen immer wieder deutlich ins Gewissen ruft. Darum das Gebet und darum die Bibellese.

Und wir brauchen Zeiten der Ruhe, den Sonntag – dringend, um uns dieses Ziel immer wieder vor Augen zu führen und uns klar zu machen, was wirklich wichtig ist und was für unser Leben Bedeutung hat. Darum der Sonntag.

Aber das heißt noch lange nicht, dass wir zum „Christ guck-in-die-Luft“ werden dürfen!

Wenn wir als Christen nämlich nur noch auf den Himmel schauen, all dem, was hier um uns herum geschieht, nur noch mindere Bedeutung beimessen würden, wenn wir uns vormachen würden, dass es vor allem auf Gebet und Gottesdienst ankäme und die Menschlichkeit, das Miteinander die Sorge mit und für den anderen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wenn wir anfangen würden zu glauben, dass Christsein zu praktizieren Gottesdienst besuchen bedeutet, und was ich außerhalb der Kirche mache, allein meine Sache sei, die niemanden etwas angeht, wenn wir es so verstehen würden, dann wäre das ein fataler Irrtum.

Steht ja nicht da und schaut so zum Himmel! Schaut auf den Boden, denn hier spielt die Musik!

Der Himmel mag das Ziel sein und das Ziel darf man nicht aus den Augen verlieren. Aber hier, vor uns, hier ist der Weg dorthin. Und wer nicht auf den Weg schaut, fällt über kurz oder lang auf die Nase!

Ein „Christ Guck-in-die-Luft“ wird wenn er ständig mit frommem Blick am Himmel hängt, den richtigen Weg und das Ziel kaum finden. Denn wer dauernd in die Luft guckt, der fällt schließlich höchstens in den Graben, und da fressen einen am Ende ja bekanntlich nur die Raben.

Ein „Christ guck-nach-vorne“ befolgt den letzten der Rat dieser Männer mit den weißen Gewändern.

Er geht unter die Menschen und liebt, wie Christus uns geliebt hat. Der verzeiht, wie Christus uns verziehen hat und der gibt sein Leben für seine Freunde. Denn eine größere Liebe gibt es nicht.

Am Ende wird er mit Sicherheit das Ziel erreicht. Denn wer den, der zum Himmel aufgefahrenen ist, in den Menschen sucht, der wird entdecken, dass Jesus bei uns ist. Und er ist nicht nur da, sondern er geht uns voran, bis wir unser Ziel sicher erreicht haben: den Himmel.

Amen.

Lied nach der Predigt

EG 165,5-6: Luft, die alles füllet

Fürbittengebet

Wir danken dir, Herr Jesus Christus, dass du der Herr bist im Himmel und auf Erden.

Wir danken, dir dass wir dich nicht über den Wolken suchen müssen und da, wo die Gestirne kreisen.

Denn Himmel ist da, wo du deine Hand nach uns ausstreckst;

wo wir dich finden und du uns nahe bist;

wenn wir dich Herr sein lassen über unsere Gedanken und unser Tun;

wenn du uns fähig machst, Brücken zu bauen, Verbindungen zu stiften und Gemeinschaft zu schenken.

Wir bitten dich, schenke uns diese Gaben Deines guten Geistes:

Schenke denen Besonnenheit, die in den Krankenhäusern und Altenheimen
um das Leben der Erkrankten kämpfen.

Schenke denen Hoffnung, die sich Sorgen machen um ihre Zukunft und ihr Auskommen.

Schenke denen Kraft, die ihre Kinder daheim betreuen, die mit Abstand ihre Eltern ermutigen, die arbeiten gehen und sich selbst schützen müssen.

Schenke uns allen Geduld und den Willen zur Umkehr und führe uns durch dieses dunkle Tal in die Helle und Weite des Lebens. Amen.

Herr, mache uns erfinderischer und ungeduldiger, Hilfe zu ersinnen und Verhältnisse zu ändern, ehe unsere Geschwister in ihrem Leid verzweifeln. Lass uns zusammenarbeiten auch über Grenzen hinweg und so deiner Herrschaft in der Welt den Weg bereiten.

Gebetsstille

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied

EG 120,1-3: Christ fuhr gen Himmel

Bitte um den Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden +. Amen.

Musik zum Ausklang

Gottfried August Homilius (1714–1785),
Kantate zum Fest Christi Himmelfahrt, „Gott fähret auf mit Jauchzen“, Eingangschoral

 


© Dorothea Zager, Worms
Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin

 

 

Ich danke meinem Ehemann,
Prof. Dr. Werner Zager, für das Einspielen der Choralbegleitung,
und Kantor Stefan Kauffmann für die Beratung bei der Auswahl der freien Musikstücke.

 

Bildnachweise:

Kirchenfenster aus der Pfarrkirche Großpostwitz/Oberlausitz 1893, epd © Rainer Oettel

Morgensonne © Jag-cz, stock.adobe.com

Der Hans-Guck-in-die-Luft, aus: Heinrich Hoffmann, Der Struwwelpeter (1845)

Die Bilder sind nicht gemeinfrei.
Die Abdruckrechte gelten nur für dieses Medium.

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