Evangelische Friedrichsgemeinde
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Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, 21. November 2021

Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, 21. November 2021

10.00 Uhr Friedrichskirche Worms

Wenn auch Sie persönlich heute eines Menschen gedenken, der im vergangenen Kirchenjahr von Ihnen gegangen ist, dann stellen Sie sich eine Kerze zurecht, die Sie im Verlauf dieses Gottesdienstes zum Gedenken entzünden können.

Orgelvorspiel

Joh. Seb. Bach, Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 642
Dorien Schouten an der Reil-Orgel der Bovenkerk, Kampen
/NL.

Begrüssung

Herzlich Willkommen zu unserem Gottesdienst am Ewigkeitssonntag.

Besonders begrüßen möchten wir alle Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr einen Angehörigen verloren haben und um ihn oder sie trauern.

In diesem Gottesdienst werden wir alle Namen unserer Verstorbenen noch einmal verlesen, und für jede Verstorbene und jeden Verstorbenen aus unserer Gemeinde wird eine Kerze entzündet.

Sie als Angehörige sollen spüren, dass wir Ihnen nicht nur in der schweren Abschiedsstunde mit dem Trost des Evangeliums nahe waren, sondern Sie auch jetzt mit Ihrem Verlust, Ihrem Gedenken und Ihren Gedanken nicht allein lassen möchten.

Unsere Gemeinsamkeit im Glauben an den Sieg Jesu Christi über den Tod – und damit die Erwartung der Auferstehung zum ewigen Leben – möge auch Ihnen Trost und Hoffnung schenken.

Wir beginnen unseren Gottesdienst mit dem Lied: Das Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still, mein Herz, im Gesangbuch Nummer 63,1+5:

Eingangslied

EG 63,1+5:
Das Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still, mein Herz

1. Das Jahr geht still zu Ende,

nun sei auch still, mein Herz.

In Gottes treue Hände

leg ich nun Freud und Schmerz

und was dies Jahr umschlossen,

was Gott der Herr nur weiß,

die Tränen, die geflossen,

die Wunden brennend heiß.

5. O das ist sichres Gehen

durch diese Erdenzeit:

nur immer vorwärts sehen

mit sel'ger Freudigkeit;

wird uns durch Grabeshügel

der klare Blick verbaut,

Herr, gib der Seele Flügel,

dass sie hinüberschaut.

Eingangsvotum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangspsalm EG 153
(nach Offenbarung 21)

Wenn Sie diesen Gottesdienst zu zweit feiern, können Sie sich bei diesem Psalm abwechseln:

Der Himmel, der ist,
ist nicht der Himmel, der kommt,
wenn einst Himmel und Erde vergehen.

Der Himmel, der kommt,
das ist der kommende Herr,
wenn die Herren der Erde gegangen.

Der Himmel, der kommt,
das ist die Welt ohne Leid,
wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

Der Himmel, der kommt,
das ist die fröhliche Stadt
und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

Der Himmel, der kommt,
grüßt schon die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.

Text: Kurt Marti 1971

Melodie: Winfried Heurich 1980

Kommt, lasst uns loben und anbeten!

Ehr‘ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet

Wir wollen beten.

Barmherziger Gott, Du hast uns heute eingeladen in Dein Haus. Wir sind gekommen, viele von uns aber mit schwerem Herzen.

Heute brechen alte Wunden wieder auf und schmerzen neu. Wir denken an Menschen, die wir lieb hatten und die uns jetzt fehlen.

Wir erinnern uns an das, was wir Schönes und Frohes mit ihnen erlebt haben. Wir danken Dir für diese Menschen, die ein wichtiger Teil unseres Lebens waren. Und wir danken Dir für alles, was sie uns gegeben haben.

Uns fällt aber auch ein, was wir falsch gemacht haben und ihnen schuldig geblieben sind. Manches blieb ungesagt, ungetan und unvergeben. Herr, wir bitten dich dafür um Vergebung.

Wir mussten sie loslassen und dir überlassen. Das ist nicht leicht. Wir versuchen vertrauensvoll und ruhig zu sein; denn Dein Wille, dass wir leben sollen, kann auch durch das Sterben nicht gebrochen werden.

Sei du denen nah, die als Angehörige einsam und elend geworden sind. Lass sie deine Leben schenkende Kraft erfahren, wenn die Fragen sie plagen und sie in der Tiefe ihres Schmerzes unterzugehen drohen.

Aber auch für uns selbst bitten wir dich, barmherziger Herr. Erinnere uns immer wieder daran, dass auch unsere Lebenszeit begrenzt ist. Lass uns nicht vergessen, dass alles, was wir schaffen, vergeht; dass allein deine Gnade in Ewigkeit dauert.

Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden und dich suchen als den Ewigen durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied zur Verlesung der Namen aller Verstorbenen

EG 65,1 mit Refrain 7:
Von guten Mächten treu und still umgeben

1. Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951

Melodie und Satz: Otto Abel 1959

 

Totengedenken

Wir trauern mit den Angehörigen um Frau Regine Stieglmeier geb. Feth. Sie verstarb am 5. November dieses Jahres im Later von 82 Jahren.

Wir haben sie am 15. November 2021 auf der Hochheimer Höhe bestattet.

Frau Stieglmeier lebte zuletzt im Altenheim Haus Hallermann in Pfiffligheim und ihre Abschiedsstunde stand unter dem Wort aus Psalm 139,5:

„Von allen Seiten umgibst du mich Und hältst deine Hand über mir.“

Gebet für die Verstorbene

Barmherziger Gott,
Dir vertrauen wir unsere Verstorbene an.

Regine Stieglmeier – Du hast ihr das Leben geschenkt und sie begleitet durch schöne und durch schwere Zeiten.

Sei Du nun auch der, der sie durch den Tod hindurch in ein neues Leben führt.

Schenke den Angehörigen und uns allen die Gewissheit, dass Du uns einen neuen Himmel und eine neue Erde schenken wirst. Dann werden wir wieder vereint sein und Dir unsere dankbaren Loblieder singen. Amen.

Gedenklied für Regine Stiglmeier

EG 65,2 mit Refrain 7:
Noch will das alte unsere Herzen quälen

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen,

noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen

das Heil, für das du uns geschaffen hast.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Verlesung der Namen aller Verstorbenen

Wir wollen nun in Stille an die Menschen denken, die im vergangenen Kirchenjahr aus diesem Leben in ein neues abgerufen worden sind.

Für jeden Namen wird eine Gedenkkerze angezündet und auf das Lichterbord der Friedrichskirche gestellt.

Angelika Huber und Hannelies Hofmann im Wechsel.

 

Gerhard „Gerd“ Seilheimer, 79 Jahre

Margot Johanna Bastian
geb. Fritz, 90 Jahre

Friedrich Carl Eckhard Hennig, 88 Jahre

Elisabetha Erika Schätzlein
geb. Volz, 81 Jahre

Erich Helmut Blenkle, 78 Jahre

Wilhelmine Gentsch
geb. Vetter, 92 Jahre

Wilfried „Willi“ Kegel, 82 Jahre

Gregor Wüst, 92 Jahre

Anni Mechnig geb. Bayerer, 91 Jahre

Rita Speckin, 91 Jahre

Hans Dieter Krämer, 84 Jahre

Edwin Heinzelmann, 88 Jahre

Ruth Roswita Rohde
geb. Landmann, 90 Jahre

Anna „Anni“ Magenheimer
geb. Moos, 90 Jahre

Siglinde Hannelore Kawohl
geb. Fink,  86 Jahre

Adelheid Wihler geb. Erkert,  86 Jahre

Ella Molter geb. Schnarr, 92 Jahre

Vertrauenslied

EG 65,3+4 jeweils mit Refrain 7:
Und reichst Du uns den schweren Kelch den bittern

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken

an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,

dann wolln wir des Vergangenen gedenken,

und dann gehört dir unser Leben ganz.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Birgit Ute Schesack geb. Mai, 66 Jahre

Otto Zender, 91 Jahre

Egon Hermann Grümmer, 80 Jahre

Marie Luise Gumbinger
geb. Bender, 72 Jahre

Anni Mechning geb. Bayerer, 91 Jahre

Karl Philipp Schall, 82 Jahre

Rita Kühling-Richter
geb. Richter, 89 Jahre

Hubert Laschke, 52 Jahre

Johann Hinrich Krieger, 72 Jahre

Nicole Patricia Christine Mangelsdorff
geb. Tonn, 60 Jahre

Reinhold Werner Schmidt, 68 Jahre

Irmtraut Wilhelmine Rinne
geb. Riedelbauch, 88 Jahre

Johanna Iris Storch, 85 Jahre

Rita Luby geb. Grassmann, 87 Jahre

Regine Stieglmeyer geb. Feth, 82 Jahre

 

Wenn Sie selbst auch Trauer tragen um einen lieben Angehörigen, dann können Sie jetzt – während des folgenden Liedes – bei sich zuhause auch für ihn oder sie eine Gedenkkerze entzünden.

Vertrauenslied

EG 65,5+6 jeweils mit Refrain 7:
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,

so lass uns hören jenen vollen Klang

der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,

all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

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"Gott der Herr ist Sonne und Schild.
Wohl dem Menschen, der sich auf ihn verlässt."

 

Darauf wollen wir uns verlassen, liebe Gemeinde und liebe Trauernde, und nicht aufgeben uns an unserem Gott festzuhalten. Denn wer sich auf Gott verlässt, den wird die Erfahrung des Todes nicht zerbrechen.

So denken wir an unsere Verstorbenen, trauernd und doch auch dankbar, über den Tod hinaus mit ihnen verbunden.

Wir denken an den Tod, zwar in Ängsten, weil wir wissen, er hat große Macht über uns

- aber auch in Hoffnung und Gewissheit, weil wir wissen, Gott hat noch größere Macht über ihn.

In dieser Zuversicht lasst uns leben. Amen.

Aus der Deutschen Messe

Franz Schubert, Heilig Heilig Heilig
RIAS Kammerchor, Berlin Radio Symphony Orchestra, Marcus Creed

Evangeliumslesung: Matthäus 25,1-13                                                    

Von den klugen und törichten Jungfrauen

 

Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.

 

Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.

Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst.

Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.

 

Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Herr, Dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel,

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters,

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten,

und das ewige Leben. Amen.

Aus der Deutschen Messe

Franz Schubert, Herr, Du hast mein Flehn vernommen

RIAS Kammerchor, Berlin Radio Symphony Orchestra, Marcus Creed

Predigt

über Jesaja 65,17-19(20-22)23-25

Liebe Glaubensgeschwister,

können Sie sich noch erinnern, wie oft Sie in Ihrem Leben umgezogen sind?

„Ach Du liebe Zeit!“ – werden die einen sagen – „Ich bin in meinem Leben sooft umgezogen; das kann man gar nicht mehr zählen! Und nicht alle Umzüge waren freiwillig.“

Andere werden sagen: „Nie. Ich bin hoch nie umgezogen. In meinem Elternhaus bin ich groß geworden. In meinem Elternhaus bin ich erwachsenen geworden. Und in meinem Elternhaus will ich alt werden und bleiben bis zum Schluss. Hoffentlich bleibt mir ein Umzug mal in ein Seniorenheim erspart.“

Die meisten von uns, liebe Glaubensgeschwister, liegen irgendwo dazwischen.

Umgezogen sind wir fast alle schon. Und einfach war es nie. Es braucht enorm viel Kraft, alles was wir haben, von hier nach dort zu bringen. Und manches geht dabei zu Bruch. Wie viel Kraft braucht man schließlich jedes Mal, am neuen Ort heimisch zu werden, Menschen kennenzulernen, sich zuhause zu fühlen.

Sie erinnern sich sicher alle.

Und jetzt führe ich meine Frage weiter: Wo haben Sie am liebsten gewohnt? Wo war es am Schönsten?

Im Haus meiner Kindheit, werden viele sagen. Da war ich unbeschwert und glücklich. Ich brauchte mich um nichts kümmern, musste keine Verantwortung tragen – weder für’s Essen, noch für die Kleidung, noch um einen geregelten Tagesablauf. Meine Eltern haben sich um das alles gekümmert. Und ich fühlte mich geliebt und geborgen. Ja, das war mein schönstes Zuhause.

Andere denken eher an die Zeit ihrer jungen Liebe. Das Haus, das ich mit meinem Ehepartner gebaut, die Wohnung, die wir zusammen eingerichtet haben. Als die Kinder kamen eins nach dem anderen, und wir tatendurstig und gesund in jeden neuen Tag gestartet sind. Wir hatten das Leben noch vor uns und waren glücklich.

Das war meine Heimat. Dort war ich rundherum glücklich – oder bin es sogar noch. Ja, ich bin zuhause angekommen.

Reiner Kunze hat einmal die folgenden ausdrucksstarken Zeilen geprägt:

Heimat ist für mich dort, wo ein Mensch ist, zu dem ich immer kommen kann, ohne gefragt zu werden, warum ich da bin.

Der mir einen Tee anbietet, weil er weiß, dass ich gerne Tee trinke.

Und wo ich bei dieser Tasse Tee schweigen darf.

Treffender, Ihr Lieben, kann man Heimat nicht beschreiben – finde ich.

Da ist einer da, der mich kennt. Der mich lieb hat.
Der mich ein bisschen verwöhnt.
Und bei dem ich so sein kann, wie ich bin.
Der mir Frieden schenkt. Äußerlich und innerlich.

So könnte man Heimat – Zuhause – beschreiben.

 

Nun sind wir heute hier, um an die Menschen zu denken, die im vergangenen Jahr aus unserer Gemeinde – aus Ihrer Familie und aus Ihrem Freundeskreis verstorben sind. Auch sie hatten ihre Heimat bei uns. Die einen durften – wenn sie Glück hatten –sie bis zum Übergang in den Tod in ihrem Zuhause im Kreis ihrer Lieben bleiben.

Andere sind ihren letzten Weg im Krankenhaus gegangen oder in einem unserer Pflegeheime der Arbeiterwohlfahrt oder des Roten Kreuzes. Wir sagen dann gewöhnlich – und auf uns selbst bezogen nicht ohne Furcht und Grauen: Der Weg in den Tod die letzte Reise. Die Intensivstation im Klinikum oder das Altenheim ist die letzte Station.

 

Sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder, genau hier fängt christliche Hoffnung an.

Unser letztes Zuhause hier auf der Erde wird nicht die letzte Station sein. Es stimmt eben nicht, dass danach nichts mehr kommt.

Es kommt etwas Neues – etwas völlig anderes auf uns zu.

Die Autoren in unserer Bibel haben dieses Neue, was da auf uns zukommen wird, beschrieben. Im Gleichnis von den Jungfrauen wird diese neue Zukunft mit einer Hochzeit verglichen, zu der nur die hineindürfen, die aufmerksam und wachsam geblieben sind.

Christus vergleicht das neue Leben mit einem Haus, in dem für uns alle, die wir glauben, ein Platz bereitsteht, an dem wir dann für immer zuhause sein dürfen.

Und der Prophet Jesaja beschreibt es mit dem Bild eines völlig neuen Himmel und einer von Grund auf neu geschaffenen Erde:

[Predigttext:
Ein neues Zuhause: Jesaja 65,17-19.23-26]

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude,

und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.

Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.

Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.

Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.

Jesaja beschreibt das „Neue“, das Gott uns verheißen wird als das schlechthin völlig Andere als das, was wir hier zu erleben gewohnt sind.

Im neuen Himmel und auf der neuen Erde wird nirgendwo mehr Böses getan werden.

Fressfeinde und deren Opfer – wie zum Beispiel Wolf und Lamm – werden einander friedlich zugetan sein.

Gefahren und Schuld werden entschärft und außer Kraft gesetzt – als Beispiel wird hier die Schlange genannt, als Inbegriff der Versuchung und des Bösen.

Kein Einziger wird mehr weinen oder klagen oder Tränen vergießen, weil es dafür keinen Grund mehr geben wird. In diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde wird es nämlich nur noch eines geben: die unbändige Freude darüber, Gott so nahe zu sein, dass er uns schon hört, bevor wir beten.

Ganz ehrlich, liebe Gemeinde, solch einen Himmel und eine solche Erde – solche Zustände können wir uns nicht vorstellen. Möglicherweise wird es auch ganz anders sein – auch Jesaja war ja nur ein Mensch. Und er hat aufgeschrieben, wie es ihm sein gläubiges Herz zu schreiben gesagt hat.

Wie wird es denn wirklich sein? Können wir das überhaupt beantworten?

Darum, liebe Gemeinde, habe ich Sie vorhin danach gefragt: Wo waren Sie am liebsten zuhause? Wo waren oder sind Sie am glücklichsten? Wo war oder ist Ihre Heimat?

Ihre eigene, ganz persönliche Antwort auf diese Frage, ist auch die Antwort auf die Frage: Wie wird Gottes neuer Himmel und neue Erde sein?

Der Platz in der Heimat bei Gott wird sich genauso anfühlen wie die Heimat, die wir hier lieben. Nur noch schöner. (Ich sage Ihnen nachher in zwei Punkten, worin diese Steigerung besteht.)

Wir werden zuhause sein.

Gott wird uns kennen – so gut kennen, dass er uns schon versteht, ohne dass wir es aussprechen müssen.

Dort dürfen wir so sein, wie wir sind. Gottes Geschöpfe. Gottes Kinder, die er genauso gewollt und erschaffen hat, wie wir sind.

Gott wird uns mit Liebe beschenken. So beschenken, wie wir es früher bei unseren Eltern erlebt haben: Liebe, die auch dann liebt, wenn wir Schuld auf uns geladen haben.

Auf solch ein Zuhause gehen wir zu, liebe Geschwister.

Und in zwei Dingen wird dieses Zuhause das noch übertreffen, das wir als unsere schönste Heimat hier in unserem Leben in Erinnerung haben:

1. Was uns belastet werden wir hier zurücklassen. Schmerz, Krankheit, Traurigkeiten, Schuld und verpasste Augenblicke, all das wird auf die Erde und in die Erde zurücksinken. Bei unserem letzten Umzug werden wir mit leichtem Gepäck reisen: nur unser Herz voller Sehnsucht werden wir mitnehmen. Wir werden es Gott hinstrecken und er wird es behutsam in seine Hände nehmen. Alles andere lassen wir zurück.

2. Die Liebe, die Gott uns schenken wird, wird uns niemand jemals wieder wegnehmen können. Das ist ja gerade das Schmerzliche in unserem hiesigen Leben: Wenn wir lieben, haben wir immer auch Angst. Angst, diese Liebe zu verlieren. Und Angst um diejenigen, die wir lieben.

Im neuen Himmel und auf der neuen Erde werden wir Liebe erfahren, die nicht mehr in Gefahr ist. Ewige Liebe heißt: unverlierbar, unzerstörbar, für alle Zeit.

 

Sehen Sie, liebe Glaubensgeschwister: Deshalb müssen wir heute auch gar nicht traurig sein, wenn wir die Namen derer nennen und hören, die von uns gegangen sind:

Sie alle, wenn sie in diesem Leben auf Gott vertraut haben, sind jetzt bereits in dieser neuen Welt, die Gott uns versprochen hat.

Einer Welt ohne Lasten, ohne Altlasten, ohne Krankheit und Angst. Einer Welt voller Liebe und Geborgenheit, schöner als jedes Zuhause, das wir kennen.

Und auch wir gehen auf dieses Zuhause zu.
Ein Umzug mindestens steht uns noch bevor.

Aber haben Sie keine Angst. Das Gepäck, mit dem wir reisen, ist leicht. Es ist unser Herz voller Liebe und Sehnsucht nach unserem Schöpfer.

Er wird unsere Sehnsucht stillen.
Amen.

Wochenlied

EG 147,1+3: Wachet auf, ruft uns die Stimme

1. »Wachet auf«, ruft uns die Stimme

der Wächter sehr hoch auf der Zinne,

»wach auf, du Stadt Jerusalem!

Mitternacht heißt diese Stunde«;

sie rufen uns mit hellem Munde:

»Wo seid ihr klugen Jungfrauen?

Wohlauf, der Bräut'gam kommt,

steht auf, die Lampen nehmt!

Halleluja!

Macht euch bereit zu der Hochzeit,

ihr müsset ihm entgegengehn!«
 

3. Gloria sei dir gesungen

mit Menschen- und mit Engelzungen,

mit Harfen und mit Zimbeln schön.

Von zwölf Perlen sind die Tore[a]

an deiner Stadt; wir stehn im Chore

der Engel hoch um deinen Thron.

Kein Aug hat je gespürt,

kein Ohr hat mehr gehört

solche Freude.

Des jauchzen wir und singen dir

das Halleluja für und für.
 

Fürbittengebet

Vater, wir bringen Dir all die Bilder, die wir vor Augen haben, wenn wir an unsere Verstorbenen denken;
unsere Erinnerungen an sie, an all das Schöne, das wir mit ihnen genießen durften, und auch an das Schwere, das wir miteinander geteilt haben.

Wir bringen dir unseren Dank für alles, was uns durch sie geschenkt wurde:
Freude und Heiterkeit,
Vertrauen und Zuversicht,
Trost und Ermutigung,
Geborgenheit und Liebe.

Wir bringen dir unsere Trauer um unsere Verstorbenen und alles, was wir durch ihren Tod verloren haben.
Wir bringen Dir unsere Fragen und unsere Sorgen,
Unsere Unsicherheit und unsere Angst,
unsere Zweifel und unsere Verzweiflung
uns alles, was uns das Leben ohne sie schwer macht.

Groß sind die Lasten, Gott, die du uns auferlegst.
Aber wir vertrauen darauf,
dass Du uns auch helfen wirst,
diese Lasten zu tragen,

dass Du in der Finsternis, die uns noch immer erfüllt und umgibt, eines Tages wieder ein Licht der Freude entzünden wirst,

dass Du uns neuen Mut schenkst
uns unser Weinen wieder in Lachen verwandelst;

dass Du stärker bist als der Tod. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied

EG 152,1+4:
Wir warten dein, o Gottes Sohn

1. Wir warten dein, o Gottes Sohn,

und lieben dein Erscheinen.

Wir wissen dich auf deinem Thron

und nennen uns die Deinen.

Wer an dich glaubt,

erhebt sein Haupt

und siehet dir entgegen;

du kommst uns ja zum Segen.

4. Wir warten dein, du kommst gewiss,

die Zeit ist bald vergangen;

wir freuen uns schon überdies

mit kindlichem Verlangen.

Was wird geschehn,

wenn wir dich sehn,

wenn du uns heim wirst bringen,

wenn wir dir ewig singen!

Abkündigungen

Wir danken für die Kollekte vom 14.11.2021 in Höhe von 38,20 €, die für Flüchtlinge und Asylsuchende in der Diakonie Hassen bestimmt war.

Und für die Kollekte des ökumenischen Buß- und Bettags­gottesdienstes in Höhe von 319,00 € für den Verein „Armut, Obdachlosigkeit und Gesundheit“ in Mainz.

Die heutige Kollekte ist für AG Hospiz der EKHN bestimmt.

Die Arbeitsgemeinschaft Hospiz unterstützt die örtlichen Hospizdienste unserer Landeskirche. Sie ermöglicht den ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleitern die Teilnahme an Aus- und Fortbildungen und unterstützt den Aufbau neuer Arbeitsfelder, wie zum Beispiel die Sterbebegleitung bei Menschen mit Demenz oder geistigen Behinderungen.

Wir laden ein zum nächsten Gottesdienst hier in der Friedrichskirche am kommenden Sonntag, 28. November 18 Uhr zum Abendgottesdienst mit Pfrn. Dorothea Zager.

Segen

Geht hin unter dem Segen des Herrn:

Der Herr segne Euch und behüte Euch. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Euch und gebe Euch Frieden.

Amen.

Orgelnachspiel

Joh. Seb. Bach, Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645

Wolfgang Zerer an der St. Katharinenkirche Hamburg

Wenn Sie die Arbeit in unserer Gemeinde mit einer Spende unterstützen möchten, können Sie das gerne tun:

IBAN: DE64 5535 0010 0000 0148 87
BIC: MALADE51WOR
Sparkasse Worms-Alzey-Ried

Wir freuen uns über jede Gabe.
Ab 50 € stellen wir gerne auch eine Spendebescheinigung aus.

 

Unseren nächsten Online/Präsenzgottesdienst feiern wir am Sonntag, 27. Dezember 2021 um 18 Uhr: unseren meditativen Abendgottesdienst.

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