Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020
Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020

Jubilate

Nicht zum Jubeln zumute

Gottesdienst zum Sonntag Jubilate 2020,
von Dorothea Zager,
Pfarrerin der Friedrichsgemeinde Worms

Sie sind eingeladen, um 10.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.

So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls heute Morgen diesen Gottesdienst feiern.

 

Musik zur Einstimmung

Peter Anglea (*1988), „Jubilate Deo“ (2011)

Eingangslied

EG 455,1-3: Morgenlicht leuchtet

EG 455,1-3 Morgenlicht leuchtet.mp3
MP3-Audiodatei [3.3 MB]

Eingangsvotum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangspsalm

Wenn Sie die Andacht zu zweit feiern, können Sie diesen Psalm im Wechsel lesen.

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der
Herr über die, die ihn fürchten.

Lobet den Herrn, alle seine Heerscharen,
seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft!
Lobe den Herrn, meine Seele!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

Lieber Vater im Himmel,
es ist gut zu wissen, dass wir in dir immer einen guten Zuhörer haben.

Du willst nicht nur Lieder und Jubel aus unserem Mund hören, sondern du hörst uns auch zu, wenn nichts so Fröhliches herauskommt: Klage und Trauer, Ärger und Wut, Enttäuschung und Fragen, Zweifel und Anklage.

Gerade in diesen schweren Zeiten ist uns so gar nicht zum Jubeln zumute.

Die Kontaktsperre zu Freunden und Mitchristen macht uns schwer zu schaffen.

Gottesdienste mit Abstand, Mundschutz und einem Verbot, Lieder zu singen, können wir uns nur schwer vorstellen.

Die Angst vor dem Zusammenbruch so vieler kleiner Unternehmen und dem Niedergang der Wirtschaft erfüllt uns mit Sorge.

Mit Mitleid denken wir an die Kindergarten- und Schulkinder, die einander nicht treffen dürfen, und die alten Menschen in den Heimen, die völlig isoliert je länger je mehr in Schwermut verfallen.

Wir flehen Dich an: Offenbare dich in unserer Welt, dass wieder Loblieder gesungen werden.

Komm mit deiner Kraft in unsere Welt und mache unsere Körper und unsere Seelen wieder gesund.

Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schriftlesung
Christus, der wahre Weinstock:
Johannes 15,1-8

Christus spricht:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.

Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,  werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

Halleluja.mp3
MP3-Audiodatei [363.8 KB]

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel,

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters,

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten,

und das ewige Leben. Amen.

Lied vor der Predigt

EG 503,1+6+8: Geh aus mein Herz

EG 503,1+6+8 Geh aus mein Herz.mp3
MP3-Audiodatei [3.5 MB]

Predigt

über Christus, den wahren Weinstock – Johannes 15,1-8

Liebe Lesende,

über 90% der einjährigen Triebe schneidet ein guter Winzer im Herbst aus einem Weinstock heraus. Über 90%! Er schneidet sie heraus und wirft sie weg.

Wenn man das weiß, dann klingt dieses beliebte und wohlbekannte Wort Jesu: „Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben.“ gar nicht mehr so tröstlich und schön. Es klingt beunruhigend. So ähnlich beunruhigend wie das Bild von der enge Pforte im Gleichnis aus dem Matthäusevangelium.

Über 90% werden weggeworfen, werden verdorren, werden gesammelt und ins Feuer geworfen, damit sie brennen. Das ist ein Höllenbild, bedrohlich, Angst einflößend. Was kann ich tun, was muss ich tun, um zu den übrigen 10 % zu gehören?

Die Antwort, liebe Lesende, können wir in unserem heutigen Bild sehen:

Unser Bild zeigt Christus – aus ganz besonderem Holz geschnitzt.

Aus dem Holz eines Weinstocks geschnitzt, seine Arme ausgestreckt wie damals, als man ihn ans Kreuz genagelt hatte.

Die Arme aber bleiben nicht Arme, sondern sie werden Zweige des Weinstocks, und tragen Frucht – hundertfältig Frucht.

Und es ist wiederum Christus selbst, der die reife Frucht erntet.

Der ganze Himmel ist voll Trauben, vom Rot des Weins getränkt – oder ist es sein Blut? Vom Licht der Sonne durchleuchtet, die die Früchte zum Reifen bringt.

Ja, solche Früchte wären wir gern – dicht an Christus, fest verbunden mit ihm – und doch auch ganz dem Himmel nah - unserem Gottvater, den wir lieb haben.

Noch einmal unsere Frage: Was kann ich tun, damit ich nicht abgeschnitten werde und verloren gehe?

Die erste Antwort heißt: Wenn Dein Blick auf den Altar gerichtet ist, auf Christus gerichtet ist und Deine Füße den Weg dorthin immer wieder finden, dann bist Du auf dem richtigen Weg.

Nirgendwo anders soll der Mittelpunkt unseres Lebens sein, unserer Gedanken und unseres Handelns als hier. Gerade jetzt, wo wir uns in unserer Kirche nicht treffen dürfen, nicht mehr alle zusammen um den Altar stehen und uns beim Abendmahl die Hände reichen dürfen, ist das ganz besonders wichtig: Auch zuhause richten wir unsere Augen und unsere Gedanken auf Christus, auf sein vorbildliches Handeln und auf seinen Willen, den er in unsere Herzen gegossen hat. Ja, das allein ein schon ist ein ganz wesentlicher Schritt, dran zu bleiben an dem, was uns Lebenskraft und Lebensmut gibt: Das Gebet, der Predigtlesen, das Lesen und Hören der Worte aus der Bibel.

Die zweite Antwort heißt: Vertraue den starken Armen Christi und sonst niemandem. Sehen Sie, liebe Lesende: Wie kräftig und dick sind die Äste und Zweige dieses Weinstocks? So stark sind Christi Arme, fast so dick und stark wie sein Körper.

Wie leicht sind wir versucht, uns in unserem Leben auf alles mögliche zu verlassen! Schauen Sie hinein in ihr eigenes Leben: Worauf verlassen Sie sich?

Auf Ihren Wohlstand? Und ihre Sicherheit für die Zukunft? Ist das wirklich so, dass Geld allein zwar nicht glücklich macht, aber beruhigt?

Verlassen Sie sich auf sich selbst? Frei nach dem Sprichtwort: Wer sich auf andere verlässt, der ist verlassen.

Verlassen Sie sich auf ein gutes Antivirenprogramm und eine scharfe Alarmanlage?

Auf gute Freunde? Auf den Ehepartner?

Wenn man wirklich einmal durch ein dunkles Tal der Sorge geht, wie wir jetzt alle durch den sogenannten „Lockdown“, die Stilllegung fast allen persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, dann ist Geld plötzlich nicht mehr so wichtig, und das Antivirenprogramm auf dem Computer schon gar nicht. Gute Freunde werden rar, und selbst die stärkste Liebe unter Ehepartnern kann harten Belastungsproben ausgesetzt sein.

Einer aber bleibt Ihnen treu: Gott, der uns in unserer Taufe zugesagt hat, dass er uns lieb und niemals verlassen wird, bleibt uns treu. Er trägt uns, auch wenn wir es manchmal gar nicht spüren, er stärkt uns, um wenigstens den nächsten Schritt zu tun, und er führt uns wieder ins Licht.

Sich darauf zu verlassen, sich festzuhalten und nicht loszulassen – das ist die zweite Antwort auf die Frage: Was kann ich tun, damit ich dran bleibe und nicht verloren gehe?

Und hier noch eine dritte Antwort – vielleicht eine der schwierigsten.

Wenn wir im Bild die Reben sind, dann gilt dieses Ernten, dieses Keltern uns selbst: Bereit sein, Früchte zu bringen. Bereit sein zu geben. Bereit sein, zu bluten. Bereit sein, sich hinzugeben. Auch das gehört zu unseren Leben als Christen.

Wir hören das vielleicht nicht gerne: Aber zu Gottes Zuspruch gehört auch sein Anspruch. Er schenkt uns so viel: seine Liebe, seine Gnade, eine Geduld, unser Leben und unser tägliches Brot, das Sonnenlicht und die Natur, unser Essen und Trinken – einmal angefangen zu danken, liebe Lesende, können wir gar nicht mehr damit aufhören.

Aber er erwartet auch etwas von uns dafür: Dass wir die Liebe, die wir von ihm empfangen, auch an andere weitergeben.

Das ist ein Anspruch, den wir – gerade als evangelische Christen, die der Werkgerechtigkeit seit Luther ja nun mit vollem Herzen abgeschworen haben! – wieder ganz neu hören müssen:

Wir müssen nicht Liebe üben, um uns die Liebe Gottes zu verdienen. Andersherum ist es: Weil wir die Liebe Gottes in so großer Fülle geschenkt bekommen haben, müssen wir davon weitergeben. Sonst bleibt sie ohne Frucht.

Im Bild geblieben:

Die Liebe ist die Lebenskraft des Weinstockes. Sie geht von Christus aus, durchströmt Wurzeln und Stamm und über den Stamm jede seiner Reben. So hält sie den ganzen Weinstock am Leben. Und doch sind die Reben sehr unterschiedlich: manche wachsen höher, manche sind breiter, manche Früchte dick und prall, andere kleiner und bescheiden. So vielfältig wie auch wir sind.

Das einzige was uns verbindet, ist die Liebe zu Christus und die Liebe zueinander. Ohne diese Liebe, die Getrenntes verbindet, können wir nichts tun.

Keine Angst also, liebe Lesende, vor der Rebenschere!

Wir können viel tun, um an unserem Glauben fest dran zu bleiben: Wir können unseren Blick auf Christus richten, wir können seinen starken Armen vertrauen, wir können uns rufen lassen in den Dienst der Liebe. Das alles ist aber nicht das Wichtigste.

Das Wichtigste ist, dass er selbst uns am Weinstock festhält. Dass er uns schon rein gemacht hat durch sein Wort und durch seine Barmherzigkeit.

Das Bild vom wahren Weinstock ist also keine Mahnung sondern werbende Verheißung. Amen.

Lied

EG 406,1+2+4: Bei dir, Jesu, will ich bleiben

Fürbittengebet

Barmherziger Vater, in diesen Wochen des Frühsommers freuen wir uns über das Leben, das uns in der ganzen Vielfalt der Formen, Farben und Düfte umgibt.

Wir preisen dich, den Schöpfer und Erhalter unseres Lebens.

Und doch liegt durch die Corona-Pandemie ein dunkler Schatten auf diesem Sommer und auf unseren Lobliedern.

Wir bitten dich: Erlöse uns alle von den Schrecken dieser Krankheit.

Stärke alle, die in den Krankenhäusern und Altenheimen
um das Leben der Erkrankten kämpfen.

Stärke alle, die sich Sorgen machen um ihre Zukunft und ihr Auskommen.

Stärke alle, die ihre Kinder daheim betreuen, die mit Abstand ihre Eltern ermutigen, die arbeiten gehen und sich selbst schützen müssen.

Schütze uns alle und führe uns durch dieses dunkle Tal in die Helle und Weite des Lebens.

Gebetsstille

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied

EG 171,1-4: Bewahre uns, Gott

EG 171 1-4 Bewahre uns Gott.mp3
MP3-Audiodatei [2.1 MB]

Bitte um den Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden +. Amen.

Musik zum Ausklang

Johann Sebastian Bach, Singet dem Herrn ein neues Lied (1. Choral aus der Kantate BWV 190)

 


© 2020 Dorothea Zager, Worms
Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin

 

 

Erneut bedanke ich mich herzlich bei meinem Ehemann, Prof. Dr. Werner Zager, für das Einspielen der Choralbegleitung,
und Kantor Stefan Kauffmann für die Beratung bei der Auswahl der freien Musikstücke.

 

Bildnachweise:

Sonnenaufgang in den Bergen, myheimat.de

Christua, der wahre Weinstock,
Hinterglasikone
(Rumänien, Scheii Brasovului, 19. Jahrhundert)

Christus, der wahre Weinstock, Aquarell aus einem Andachtsbuch – Künstlerin/in unbekannt.

Alle Bilder sind gemeinfrei.

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