Friedrichsgemeinde Worms
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"Schaut hin!"

Andacht für den 7. Februar 2021

von Pfarrer Volker Johannes Fey

Für den 7. Februar war ursprünglich geplant, einen so genannten „Kirchentags-Sonntag“ zu feiern: einen ökumenischen Gottesdienst zur Vorbereitung auf den 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT), vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main. Der ÖKT kann wegen Corona nicht in Präsenzform stattfinden. Der Kirchentags-Sonntag wirbt nun dafür, sich mit dem Motto des ÖKT zu beschäftigen: „Schaut hin!“ (Markus 6,38)

Sie sind eingeladen, zu dieser Andacht eine Kerze anzuzünden.

So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls diese Andacht beten.

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 119 (in Auswahl)

Ich suche dich von ganzem Herzen; lass mich nicht abirren von deinen Geboten.

Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige.

Gelobet seist du, HERR! Lehre mich deine Gebote!

Ich will mit meinen Lippen erzählen alle Urteile deines Mundes.

Ich freue mich über den Weg deiner Zeugnisse wie über allen Reichtum.

Ich will nachsinnen über deine Befehle und schauen auf deine Wege.

Ich habe Freude an deinen Satzungen und vergesse deine Worte nicht.

Tu wohl deinem Knecht, dass ich lebe und dein Wort halte.

Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

Gott, manchmal komme ich mir so blind vor.

Ich habe zwei Augen. Aber ich sehe nicht. Das Wesentliche. Das Naheliegende. Sehe und begreife es nicht.

Ich schaue hastig hin und her. Doch mein Blick – oft müde und leer. Ich sehe vieles nicht, diese Welt, das Leben, dich.

Gott, du siehst mich, auch wenn mein Blick an dir vorbeigeht. Du siehst, wie die Welt, wie das Leben ist. Wie ich bin. Ich bitte dich: Schau mich auch jetzt an und schenke mir Erbarmen!« Amen.

Lesung (Mk 6,30-44)

Die Speisung der Fünftausend

Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. 32 Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein. Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt  an.

Da nun der Tag fast vergangen war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Stätte ist einsam, und der Tag ist fast vergangen; lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben? Er aber sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht nach! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf, und zwei Fische. Und er gebot ihnen, dass sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras.

Und sie setzten sich, in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen. 44 Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Männer.

Lied

EG 34,1-3 Freuet euch, ihr Christen alle

Kurzpredigt

Liebe Gemeinde!

Das Motto des „3. Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) 2021“ ist also: »Schaut hin!« – in Anlehnung an Markus 6,38: „Geht hin und seht nach!“ – Es soll auch das Motto dieses „Kirchentags-Sonntags“ sein, der eigentlich ursprünglich als eine Art „Werbeveranstaltung“ für den Kirchentag oder Katholikentag gedacht ist. Nun kann er dieses Jahr so nicht stattfinden.

Wir können aber das Motto zum Anlass nehmen „hinzuschauen“ – gerade in diesen Corona-Zeiten, in denen wir in Gefahr sind, aufgrund der ständigen Verlängerung des Lockdowns und der Verschärfung der Maßnahmen allmählich zu ermatten. Und dass unsere Augen – aufgrund unseres gesenkten Blickes – nach unten gerichtet sind. Gebannt durch das, was da gerade alles in unserer Welt passiert und schiefgeht.

Der Pastoralreferent und katholische Hochschulseelsorger Andreas Baaden, und ich – mit meiner Zusatzbeauftragung für die evangelische Hochschulseelsorge – haben Student*innen der Hochschule Worms losgeschickt mit der Bitte: „Schaut hin auf das, was gut ist, auf das, was Hoffnung macht!“ – Denn für die StudentInnen hat sich alles geändert: Kein Semesterbeginn mit Bier oder Wein in der Taverne des Campus – keine Präsenzvorle- sungen, sondern nur Fernunterricht. Keine Verpflegung in der Mensa – keine Jobs, mit denen sie ihr Studium finanzieren können … Viele haben ihre Zelte in Worms darum sogar gleich wieder abgebrochen und sind zurück zu den Eltern gezogen. Dieser Studien-Generation gehen wichtige Erfahrungen – auch für die Selbständig- werdung – verloren. Die ganze Kultur des Studierens hat sich durch Corona schlagartig verändert. Es ist eine Situation – fast zum Verzweifeln!

Und in dieser Situation nun „hinzuschauen auf Hoffnungszeichen“ – das grenzt fast schon an eine Überforderung. – Und trotzdem haben das StudentInnen gemacht. Und haben gesagt, worauf sie schauen – was ihnen hilft und Mut macht. Und da wurde zum Beispiel genannt:

  • Musik und bestimmte Lieder lenken ab und heben dieStimmung;
  • das Hinausgehen in dieNatur;
  • der Rückblick auf bessere Tage in der Vergangenheit und der Ausblick auf bessere Tage in derZukunft;
  • ehrenamtliches Engagement, bei dem man/frau für andere da sein und ihnen die Situation erleichternkann.
  • Manche stellen fest, dass Familie in diesen schwierigen Zeiten enger zusammengerücktist;

es klappt immer besser damit, mit sich selbst allein zu sein und mit der Technik (wie WhatsApp-Anrufen, Skype oder Zoom-Treffen oder -vorlesungen) zurecht zukommen.

„Ganz klar: der kommende Impfstoff macht Hoffnung!“, sagte einer; aber auch: gutes Wetter und der Ausblick auf den Sommer…

Die Student*innen haben es gewagt, „hinzuschauen und Hoffnungszeichen zu suchen“ – und es hat ihnen und auch uns Mut gemacht. – Wir hoffen, dass das auch Ihnen und Euch so geht!

Es ist die Erfahrung, die auch die Jünger damals gemacht haben:

In dem Moment, wo wir uns darauf einlassen „hinzuschauen“ – in dem Moment, wo wir andere in den Blick nehmen und für sie da sein können – in diesem Moment besteht Hoffnung!

Und der Friede Gottes – und die Hoffnung – bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Lied

EGplus 109

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht – Christus, meine Zuversicht

Gebet

Guter Gott, du siehst uns.

Du kennst die Sehnsucht, die wir im Herzen tragen. Du hörst uns, wenn wir jetzt zu dir rufen:

Öffne unsere Sinne, dass wir dich und dein Wirken neu entdecken.

Bewahre uns vor Resignation und Hoffnungslosigkeit. Schenke uns offene Augen, dass wir sehen, offene Ohren, dass wir verstehen, offene Hände, dass wir geben und vergeben. Gib deinen Geist, Herr, damit wir leben.

Schau‘ auf das Leid der Menschen in den Kriegen, Krisenherden und Flüchtlingslagern weltweit.

Sieh auf die Verletzten, Vertriebenen und scheinbar Verlorenen, denen es an Anteilnahme und Aufnahme, an Schutzräumen und Integration fehlt.

Öffne unsere Augen und Herzen. Gib uns Mut und Entschiedenheit, an deinem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit mitzuwirken, in dem es Platz für alle, ein Willkommen und ein Auskommen für jede und jeden gibt.

Gott, schau hin und sieh unser Ringen und Fragen, wenn Pläne durchkreuzt werden, wenn Krankheit oder Leid unsere Lieben oder uns selbst treffen.

Öffne unsere Augen, damit wir mit deinen Blick die unzerstörbare Würde und Schönheit erkennen, die du auch in Krankheit und Leid schenkst. Stärke unsere Bereitschaft und befähige uns beizustehen, wo niemand „bleiben“ will.

Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr unser Gott tröste uns!
Er lasse uns sein Angesicht leuchten, so genesen wir.
Amen.

 

Einen ökumenischen Videogottedienst zum Kirchentagssonntag finden Sie hier.

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