Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020
Friedrichsgemeinde Worms Erntedankfest 2020

Osterfest

„Die unglaublichste
Geschichte der Welt.“

Ostergottesdienst 2020
von Dorothea Zager, Pfarrerin der Friedrichsgemeinde Worms

 

Sie sind eingeladen, um 10.00 Uhr eine Kerze anzuzünden.
So verbinden Sie sich mit all denen, die ebenfalls heute Morgen diesen Ostergottesdienst feiern.

Orgelmusik zum Eingang

J.S. Bach, Christ ist erstanden, BWV 627, eingespielt von Simon Preston

Zur Einstimmung

Ich fragte:

„Wer wird mir den Stein wegwälzen

von dem Grab meiner Hoffnung?

den Stein von meinem Herzen

diesen schweren Stein?“

Ostern sagt uns:

„Mir ist ein Stein vom Herzen genommen:

Meine Hoffnung die ich längt begraben hatte,

ist auferstanden.“ so wie Er gesagt hat.

Er lebt! Er lebt!

Und er geht uns voraus!“

Lothar Zenetti

Eingangslied

EG 99,1-3: Christ ist erstanden

EG 99 1-3 Christ ist erstanden.mp4
MP3-Audiodatei [3.9 MB]

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Osterpsalm 30

Wenn Sie die Andacht zu zweit feiern, können Sie diesen Psalm im Wechsel lesen.

„Der Herr ist auferstanden,

Halleluja; er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja.“

Ich preise dich, Herr;

denn du hast mich aus der Tiefe gezogen.

Herr, mein Gott, als ich schrie zu dir,

da machtest du mich gesund.

Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen,

und preiset seinen heiligen Namen!

Denn sein Zorn währet einen Augenblick

und lebenslang seine Gnade.

Den Abend lang währet das Weinen,

aber des Morgens ist Freude.

Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,

du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen

und mich mit Freude gegürtet,

dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.

Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

„Der Herr ist auferstanden,

Halleluja; er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja.“

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Sündenbekenntnis

Wir wollen alle fröhlich sein – das ist eins der schönsten Osterlieder überhaupt. Aber können wir das so einfach singen?

Mitten in einer Welt, die von Corona in Fesseln gelegt ist? In der täglich hunerte Menschen an dieser Seuche sterben? In der wir uns nicht treffen dürfen – schon garnicht zum Gottesdienst?

Klingt nicht manchmal auch Klage in unseren Herzen? Und Zweifel? Lasst uns deshalb Gott anrufen mit der Klage unseres Herzens:

Auferstandener,
siehst du, wie viele Menschen auf unsere Erde sterben? Zwischen den Kriegsfronten in Syrien? Bei Terroranschlägen in Paris und Brüssel, in London und Madrid?

Siehst Du, wie Corona unter uns wütet? Wie sie ihre Opfer holt. Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, alte Menschen,... Warum lässt du das zu, Gott?

Als du geboren wurdest im Heiligen Land, da haben wir auf Frieden gehofft. Aber inzwischen sind unsere Hoffnungen auf Frieden sind fast erstorben. Manchmal fühlen wir uns eher wie an Karfreitag!

Auferstandener,
siehst du, wie viel Ungerechtigkeit es gibt auf der Welt? Wie viele Menschen hungern und leiden und unterdrückt werden?

Als du geboren wurdest unter den armen Leuten damals in Bethlehem, da haben wir auf Gerechtigkeit gehofft für diese arme Welt. Aber inzwischen sind unsere Hoffnungen auf Gerechtigkeit fast erstorben. Manchmal fühlen wir uns eher wir an Karfreitag!

Auferstandener,
Siehst du die Angst unter den Menschen? Siehst du sie? Unsere Angst vor Corona. Unsere Angst vor den Folgen dieser Pandemie für unser Leben, unsere Kultur und unsere Wirtschaft. Siehst Du, wie viele Menschen krank geworden sind und um ihr Leben ringen?

Als du predigend durch Galiläa gezogen bist, da hast Du Menschen geheilt an Leib und Seele. Und wir haben gehofft, Du machtest auch unsere Menschheit gesund. Aber nun das!

Manchmal scheint alles verloren und wir fühlen uns eher wie an Karfreitag.

Deshalb rufen wir auch am Osterfest zu dir:

Herr, erbarme dich!
Christe, erbarme dich!
Herr, erbarm dich über uns!

Gnadenzusage

Und so hört den Trost, den Gott Euch verkündigen lässt:

Christus spricht: In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden.

Lobsinget Gott, erhebet seinen heiligen Namen!

Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, und den Menschen ein Wohlgefallen!

Kollektengebet

Wir wollen beten.

es liegen so viele Steine auf unseren Herzen.

Nicht immer ist uns österlich und hoffnungsvoll zumute.

Du aber sagst, dass Du die Welt überwunden hast.

Für uns kaum vorstellbar – aber wir vertrauen auf Dich.

Und kommen zu Dir so wie wir sind:

mit unseren alten und immer neuen Ängsten,

mit unseren ungereimten Hoffnungen,

unserem unfertigen Charakter.

Und wir bitten Dich: sage uns die Osterbotschaft heute wieder ganz neu.
Dass dieses Leben nach dem Tod nicht einfach aus ist.

Sondern dass Du da bist und uns in die Arme nimmst.

Du liebst uns so, wie wir sind. Du schenkst uns die Freiheit, zu leben. Und Du schenkst uns Hoffnung über den Tod hinaus.

Uns selbst und unserer Welt.

Dafür danken wir Dir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Lied

EG 116,1+4+5: Er ist erstanden. Halleluja!

EG 116 1+4+5 Es ist erstanden.mp4
MP3-Audiodatei [5.0 MB]

Evangeliumslesung

Jesu Auferstehung (Markus 16,1-8)

 

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Halleluja!

Osterjubel

Halleluja aus EG 103

Halleluja.mp4
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Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel,

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters,

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten,

und das ewige Leben. Amen.

Lied vor der Predigt

EG 100,1+2+4: Wir wollen alle fröhlich sein

Predigt
Jesus lebt? – Wo denn?

über 1. Kor 15,19-28

„Die unglaublichste
Geschichte der Welt.“

So titelte die Wochenzeitschrift ZEIT im April des Jahres 2013 ihre Osterausgabe. Über einem großen Bild des Auferstandenen waren diese Letter zu lesen „Die unglaublichste Geschichte der Welt“.

Wie wahr! Nichts klingt unwahrscheinlicher als die Auferstehung Jesu. Warum feiern Milliarden Christen trotzdem Ostern?

Wer ehrlich ist, muss zugeben:

Ostern ist eher das Fest der vielen Fragezeichen.

Das Fest des heimlichen Kopfschüttelns.

War das Grab wirklich leer?

Wo ist Jesus hin? Zu Gott?

Dann war er eigentlich auch gar nicht auferstanden.

Ist er auf die Erde wirklich zurückgekommen?
Wenn ja, warum erkannten ihn dann seine Jünger nicht?

Warum durfte Maria Magdalena ihn nicht umarmen? Aber Thomas schon!
Warum durfte der die Hände in die Wundmale legen, Maria aber nicht?

Insgeheim geht jeder ernsthafte, mit Verstand ausgestattete Kirchgänger an Ostern mit der stillen Frage in die Kirche: Wird der Pfarrer oder die Pfarrerin es mir heute erklären können? Werde ich heute mit einem stärkeren Glauben nach Hause gehen – oder werde ich meine alten Fragen wieder mitnehmen?

 

Paulus kannte das. Auch er wurde von den jungen Christen gefragt: Wie war das mit der Auferstehung? Wie soll das zugegangen sein? Wie sollen wir uns das vorstellen? Erklär uns das mit der Auferstehung!

Paulus war ein echter Argumentationskünstler. Er hatte es in seiner Ausbildung gelernt, nach allen Regeln der Kunst ein Argument an das andere zu reihen und damit auch schwierigste Sachverhalte zu erklären. Genau in diesem Stil hat er auch geantwortet:

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die Elendesten unter allen Menschen.

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;

danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße legt. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn „alles hat er unter seine Füße getan“ (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.

Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Super!

Wenn sich Ihrer Brust bei diesen Worten ein Seufzer entringt, liebe Freunde, brauchen Sie sich dessen nicht zu schämen:

Nein, das sind eigentlich nicht die Antworten, die wir uns erhoffen! Was sollen wir mit diesem Wust an Argumenten anfangen? Das erklärt doch gar nichts – oder doch?

Beginnen wir langsam:

 

Leiblich auferstehen?

Einem Menschen, der es gewohnt ist, vernünftig und lo­gisch zu denken, fällt es unsagbar schwer, sich die Rückkunft eines gestorbenen Men­schen aus dem Tod vorzustellen.

Paulus versucht ja bereits in seiner Auferstehungstheologie, den irdischen Körper als „natürlichen Leib“ einem auferstandenen „geistlichen Leib“ gegenüberzustellen. Aber ist das wirklich eine Antwort auf unsere Frage?

Sich auszumalen, dass an die Stelle des alten Körpers ein Geistleib tritt, dem man auf der Erde leibhaftig begegnen kann, auch dazu ist ein aufgeklärt denkender Mensch nicht in der Lage. „Das gibt es nicht!“, ruft in ihm eine innere Stimme.

Und sie ruft es wie ein nagender Zweifel unter all dem Osterjubel in unseren Kirchen. Wenn wir die Osterlieder singen, das Osterevangelium hören, einer Osterpredigt fol­gen, leise oder manchmal sogar unüberhörbar tragen wir diese innere Stimme mit uns herum: „So etwas gibt es nicht.“

Und wir spüren es selbst: So­lange wir nicht bereit sind, dieser Frage und diesem Zweifel offen ins Gesicht zu sehen, ihn beim Namen zu nennen, ernst zu nehmen und ihm eine Antwort entgegenzu­setzen, die ihn wirklich verstummen lässt, solange werden wir nie mit wahrhaft froher und befreiter Seele Ostern feiern können.

Und solange bleibt uns auch diese unbestimmte Angst vor unserer eigenen Todesstunde; denn wir können nicht sicher sein, ob unser von Zweifeln geschüttelter Auferstehungs­glaube uns dann wirklich noch tragen wird.

Fassen wir also Mut und geben wir zu: Es kann und es wird keine leibliche Auferstehung geben. Unser Leib wird zurückgegeben in den Kreislauf des Lebens – in die Erde – und wird vergehen.

Wenn es eine Auferstehungshoffnung gibt, dann muss es eine geistige sein, die von allem Körperlichen unabhängig ist.

 

Eine Reihenfolge bei der Auferstehung?

Liebe Freunde, die Leiblichkeit einer Auferstehung ist nicht das Einzige, das vielen von uns an der Oster-Botschaft Mühe macht.

Da sind auch die mit dem antiken Weltbild verknüpften Vorstellungen von himm­lischer Welt, vom Totenreich, in das Jesus hinabgestiegen sei, und dass es eine Auferstehungs-Reihenfolge geben soll – diese antiken Vorstellungen können von uns so nicht mehr übernommen werden; denn sie sind schlichtweg vergangen.

Deshalb, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, haben Sie Mut: Sie brauchen diese Vorstellungen auch nicht zu übernehmen. Wir leben in der Zeit nach der Aufklärung. Das heißt: Wir dürfen – ja, wir müssen – neue Wege finden, die Auferstehung zu verstehen und zu glauben.

Paulus stellt die Auferstehung Jesu in den Denkhorizont jüdischer Endzeitvorstellungen hinein. Danach ist „Ostern“ sozusagen die „Initialzündung“ für das große Drama der Endzeit, das jetzt endlich seinem Abschluss entgegeneilt. So – und nur so! – sind die Argumente des Paulus auch zu verstehen, wenn er von einer Reihenfolge der Auferstehenden spricht, wer also zuerst dran ist mit dem Auferstehen und wer danach kommt; wer die Macht bekommt und über wen.

Im Urchristentum hat man Jesu Auferstehung als Beginn der allgemeinen (endzeitlichen) Toten-Auferstehung verstanden, die sich zusammen mit der Wiederkunft Christi ereignen sollte – und zwar bald! Sehr bald! So bald, dass es viele von denen, die die Briefe des Apostels Paulus gelesen und gehört haben, es noch erleben sollten!

Das hat sich aber, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, das müssen wir offen zugeben, ja gar nicht ereignet. Das, was da mit Jesu Auferstehung hätte eingeleitet werden sollen, hat nicht stattgefunden: Weder kam Jesus wieder, noch ereignete sich die allgemeine Auferstehung der Toten, noch fand das Jüngste Gericht statt.

Sowohl Jesus, als auch Paulus (und viele andere Christen danach) haben sich in diesem Punkt schlichtweg geirrt.

Wenn wir das so deutlich beim Namen nennen, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, entfacht das bei manchen einen Sturm der Entrüstung. Manchen macht das einfach nur Angst: Was bleibt uns denn dann von der Osterbotschaft, wenn das alles so nicht stimmt?

Für manche aber von uns ist es eine Befreiung:
Ich muss nicht glauben, was ich nicht glauben kann!

 

Keine Angst vor neuen Wegen!

Was also können wir glauben?
Was ist vereinbar mit unserem Verstand?

Jesu Leib wurde nach seinem Tod genauso begraben, wie es auch bei uns sein wird, wenn wir einmal sterben. Und Jesu Geist wurde in der gleichen Weise in Gottes Gebor­genheit aufgenommen, wie wir es für uns selbst auch erhoffen.

Wir reihen uns mit dieser Hoffnung in die Jahrtau­sende alte Hoffnungskette derer ein, für die mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern die darauf vertrauen, dass Gottes Macht stärker ist als die ver­nichtende und trennende Kraft des Todes. Diese Auferstehungshoffnung hat es auch schon vor Jesus gegeben – auch schon im Judentum.

Zugleich war Jesus aber nach seinem Tod im Geist und in den Herzen derer, die ihm nachgefolgt waren, die ihn liebten, immer noch in ganz besonderer Weise gegenwärtig und lebendig.

Er hat sie gerufen, er hat sie angesprochen, er hat sie ermutigt und sie letztlich mit dem Auftrag in die Welt hinaus geschickt, Menschen für den Glauben zu gewinnen.

Und diese Lebendigkeit Jesu in den Herzen derer, die ihn liebhaben, das ist das was auch heute noch für uns persönlich Ostern bedeutet:

Wir können uns nicht zwingen, uns einen wieder lebendig gewor­denen Je­sus von Nazareth vor­zustellen, der mit seinen Jüngern vor seiner Him­melfahrt auf dieser Erde 40 Tage verkehrt sei.

Das müssen wir auch gar nicht.

Denken Sie doch einmal daran, was wir am 12. April 1961 hörten und worüber wir damals schon lächelten:

Am 12. April 1961 umrundete der damals 27-jährige Russe Juri Gagarin zum allerersten Mal die Erdkugel, und als er wieder zurückkam, sagte er: „Ich bin in den Weltraum geflogen, aber Gott habe ich dort nicht gesehen.“

Natürlich hat er ihn nicht gesehen – wir lächeln! – wie kann man Gott da suchen, wo die Gestirne kreisen! Gott wohnt in unseren Herzen, in unserem Geist. Da und nirgendwo anders ist er zu finden.

Und wir – die wir über Gargarin lächeln – wollen uns allen Ernstes dazu zwingen, Jesus von Nazareth nach seinem Tod in einem sichtbaren Leib zu suchen? Wir zwingen uns zu glauben, dass das Grab wirklich leer war?

Das müssen wir nicht. Wir würden doch den gleichen Denkfehler machen wie Juri Gargarin, über den wir heute noch gerne lächeln.

Jesus „nicht bei den Toten suchen“ heißt: mit ihm zu leben als dem lebendigen Herrn in unseren Gedanken und in unserem Herzen.

Wenn wir Jesu Wille so bejahen, dass er unser Denken und unser Handeln zum Guten beeinflusst, dann ist Jesus auferstanden. Dann lebt er in unserem Denken und Handeln.

Wenn wir Jesu Menschenliebe so bejahen, dass wir uns tief im Innersten unseres Lebens angenommen und geliebt wissen, dann ist Jesus auferstanden in unseren Herzen. In seiner Liebe ist er lebendig.

Wenn wir Jesu Botschaft von der Vergebung so bejahen, dass wir auch Misslungenes und Schuldhaftes ehrlich zugeben können, dann ist Jesus auferstanden. Dann lebt er in unserer Seele und in unserer eigenen Vergebungsbereitschaft.

Liebe Freunde, wir können uns mit voller Überzeugung dem österlichen Jubelruf anschließen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Denn er lebt wirklich. Seine Worte und sein Verhalten haben uns ergriffen und überzeugt. Und er bleibt in unserer Seele lebendig.

Jesus ist für uns nicht bloß eine große Persönlichkeit der Ver­gangenheit, sondern er ist eine lebendige Größe in uns, die unsere Gegenwart entscheidend prägt:

Jesus lebt, nicht weil berichtet wird, er sei auferstanden. Das ist für mich unfassbar.

Sondern Jesus lebt,

weil ich selber fühle, wie er in mir spricht und mich ruft und mich tröstet,

weil ich selber fühle, dass er durch mein Handeln und Reden unter den Menschen lebendig sein will.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Lied nach der Predigt

EG 112,6+8: Ich hang und bleib auch hangen

Fürbittengebet

Barmherziger Gott,
seit du Jesus Christus vom Tode auferweckt hast, wissen wir:
Mit Deiner Hilfe und mit Deiner Kraft können wir auch schlimmste und schwerste Situationen überwinden!

Deshalb bitten wir Dich:

Entzünde ein Licht für alle, deren Leben durch den Schatten der Verzweiflung verdunkelt ist.

Öffne Türen für alle, die hinter der Mauer der Kontaktlosigkeit leben.

Ebne Wege für alle, die in der Sackgasse ihrer unerfüllten Träume stecken.

Spanne ein Netz aus für alle, die vor dem Abgrund der Angst stehen.

Linde die Schmerzen derer, die unter Verletzungen an Leib und Seele leiden.

Gib denen eine Stimme, die die Erfahrung des Bösen sprachlos gemacht hat.

Schenke denen Orientierung, die die Übersicht über ihr Leben verloren haben.

Schenke uns allen das Ende der Corona-Pandemie, damit wir wieder in Gemeinschaft miteinander leben dürfen.

Lass es Ostern werden, wo mitten im Leben der Tod regiert.

Lass es Ostern werden auch bei uns, in unseren Familien und in unseren Häusern, dass wahre Osterfreude unser Herz erfüllt.

Amen.

Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel,

so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied

EG 99,1-3: Christ ist erstanden

EG 99 1-3 Christ ist erstanden.mp4
MP3-Audiodatei [3.9 MB]

Bitte um den Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden +.

Amen.

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