Evangelische Friedrichsgemeinde Worms
EvangelischeFriedrichsgemeindeWorms

Gottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juni 2022

Abschiedsgottesdienst

mit Verabschiedung von Dr. Sandra Ehses nach Dresden,
und von Pfarrerin Dorothea Zager in den Ruhestand

26. Juni 2022,
17.00 Uhr Friedrichskirche Worms

 

Wochenspruch:
Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lk 19,10)

 

Musikalische Einstimmung

Johann Sebastian Bach, In Dir ist Freude in allem Leide (Jubilate-Chor, Siegen)

01 In dir ist Freude.mp3
MP3-Audiodatei [3.9 MB]

Begrüßung

Herzlich willkommen, liebe Gemeinde und liebe Gäste, zu diesem Gottesdienst in unserer Friedrichskirche.

In diesem Gottesdienst haben wir gleich zwei unserer Mitarbeiterinnen aus unserer Mitte zu verabschieden: unsere Organistin Dr. Sandra Ehses und unsere Pfarrerin Dorothea Zager.

Aus diesem Anlass sind heute besondere Mitchristen bei uns zu Gast, die ich gerne besonders begrüßen möchte:

Dr. Klaus-Volker Schütz, den Propst für die Propstei Rheinhessen und Nassauerland,

den Präses unseres Dekanates Worms-Wonnegau Alexander Ebert,

unsere Dekanin Jutta Herbert sowie ihren Vorgänger im Amt des Dekans Harald Storch.

Abschied ist nie wirklich schön!

Wir können aber zwei Dinge tun, damit uns der Abschied nicht ganz so schwer fällt: Dankbar zurückblicken auf die Zeit, die wir gemeinsam gelebt und gestaltet haben; und unser ganzes Vertrauen auf Gott setzen, der uns hält, trägt und segnet auch dann, wenn sich die Zeiten ändern.

Deshalb wollen wir diesen Gottesdienst auch gleich mit einem fröhlichen Vertrauenslied beginnen: Lob Gott getrost mit Singen.

Eingangslied

EG 243,1+4-6: Lob Gott getrost mit Singen

1. Lob Gott getrost mit Singen,

frohlock, du christlich Schar!

Dir soll es nicht misslingen,

Gott hilft dir immerdar.

Ob du gleich hier musst tragen

viel Widerwärtigkeit,

sollst du doch nicht verzagen;

er hilft aus allem Leid.

4. Darum lass dich nicht schrecken,

o du christgläub'ge Schar!

Gott wird dir Hilf erwecken

und dein selbst nehmen wahr.

Er wird seim Volk verkünden

sehr freudenreichen Trost,

wie sie von ihren Sünden

sollen werden erlöst.

5. Es tut ihn nicht gereuen,

was er vorlängst gedeut',

sein Kirche zu erneuen

in dieser fährlichn Zeit.

Er wird herzlich anschauen

dein' Jammer und Elend,

dich herrlich auferbauen

durch Wort und Sakrament.

6. Gott solln wir fröhlich loben,

der sich aus großer Gnad

durch seine milden Gaben

uns kundgegeben hat.

Er wird uns auch erhalten

in Lieb und Einigkeit

und unser freundlich walten

hier und in Ewigkeit.

Eingangsvotum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangspsalm

Wenn Sie diesen Gottesdienst zu zweit feiern, können Sie sich beim Lesen des Psalms abwechseln.

EG 742 = Psalm 103

Frauen: Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Männer: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht,
und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.


 

Alle: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, du weißt, wie es um uns steht an diesem Abend: Wir müssen Abschied nehmen, und wir tun uns schwer damit.

Sandra Ehses geht in eine neue berufliche und familiäre Zukunft, und sie wird uns fehlen mit ihrer sanften und liebevollen Art, mit ihrer Musik und ihrer Freundlichkeit.

Ich muss gehen, obwohl ich so gerne noch bleiben würde.

So bringen wir dir heute unsere traurigen Herzen. Sei du bei uns, wenn wir uns voneinander verabschieden. Sei du bei uns, wenn ein jeder und eine jede in ihren Alltag und in ihre Zukunft geht.

Darum bitten wir dich mit den Worten von Peter Strauch:

Unsre Zeit steht in deinen Händen.
Wir können ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst uns Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib uns feste Herzen, mach sie fest in dir.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Verabschiedung Dr. Sandra Ehses

Verabschiedung

Liebe Sandra,
nach vielen Wanderjahren sieht es nun danach aus, dass Ihr – Dein Mann, Deine Kinder und Du selbst – in Dresden eine neue Heimat und eine dauerhafte Zukunft findet.

Wir freuen uns sehr für Euch, dass Christian dort diese schöne Stelle als Domkapellmeister und Leiter der Dresdner Kapellknaben gefunden hat, und sich auch für Dich eine Zukunft als Lehrerin im dortigen Sankt-Benno-Gymnasium eröffnet.

Für uns als Friedrichsgemeinde heißt das allerdings: wir müssen Dich ziehen lassen! Also noch ein Abschied mehr.

Wir danken Dir herzlich für Deinen treuen Dienst an unserer Orgel. Auch und vor allem in der Zeit, in der Du extra für uns immer von Kusterdingen bzw. Reutlingen zu uns gefahren bist, um uns die Orgel zu spielen.

Wir verabschieden Dich heute mit großer Dankbarkeit und mit dem Versprechen, dass Du uns an den Tasten der geliebten Friedrichsorgel jederzeit gerne willkommen bist.

Überreichen des Geschenks                                      Dorothea Zager

Die Friedrichsgemeinde überreicht der Familie Ehses-Bonath eine Familien-Jahreskarte für den Dresdener Zoo und für jedes ihrer Kinder ein Zootier von Margarethe Ostheimer.

Segnung 

Liebe Sandra,
Gott segne Dir den Blick zurück und den Schritt nach vorn.
Gott bewahre in Dir die Erfahrungen in unserer Friedrichsgemeinde.

Gott begleite Dich auf dem Weg, der vor Dir liegt
und lasse Dein Vertrauen zu ihm wachsen.

So segne Dich der barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Evangeliumslesung

Wir hören die Lesung aus dem Lukasevangelium im 15. Kapitel: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Vom verlorenen Schaf

Es nahten sich Jesus aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Lukas 15,1-7

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel,

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters,

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen.

Musik zur Besinnung

Johann Sebastian Bach, Befiehl Du Deine Wege

07 Befiehl du deine Wege.mp4
MP3-Audiodatei [2.4 MB]

Predigt

Vom suchen und gefunden werden

 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

I.

Liebe Glaubensgeschwister, eine der nervigsten Beschäftigungen, die ich kenne, ist etwas zu suchen. Kennen Sie das auch?

Ein Mensch muss ganz dringend los zu einem wichtigen Termin – er ist eh schon knapp dran, und dann ist der Autoschlüssel weg. Schon beginnt die hektische Suche – nicht selten endet sie dann beim Ersatzschlüssel.

Grübelnd steht eine andere vor dem Bücherregal und denkt sich: ich hatte doch mal so ein wundervolles Buch mit Zitaten von Martin Luther. Weg isses! Hab ich’s verlegt? Oder vielleicht sogar verliehen?

Die Bankkarte – sonst immer an ihrem festen Platz im Portemonnaie – ist auf einmal nicht mehr da, wo sie hingehört. Heiß durchzieht mich der Gedanke: Wo hatte ich sie zuletzt? Wurde sie mir gestohlen? Muss ich sie jetzt sperren lassen?

Und wenn es ganz besonders toll läuft, dann findet man zwar das Gesuchte nicht – dafür aber das, nach dem man vor einer Woche händeringend gefahndet hat.

Dass jetzt einige von Ihnen schmunzeln, lässt mich vermuten, dass es Ihnen ähnlich geht!

Alles in allem: Suchen ist kraftraubend. Suchen ist keines Menschen Lieblingsbeschäftigung, es sei denn, er puzzlet gern.

Aber leider ist es so: Suchen ist manchmal einfach nötig.

 

II.

Unser Suchen beschränkt sich aber natürlich nicht nur auf Alltägliches.

Lieblingsbuch? Autoschlüssel? Bankkarte? Mag sein, dass sie uns manchmal fehlen, wirklich suchen wir aber Wichtigeres.

Wir suchen Freundschaft und Liebe, die uns so akzeptiert, wie wir sind.

Wir sehnen uns nach Geborgenheit und Schutz, wenn es mal schwierig wird.

Ein Leben lang schauen wir aus nach einem Ziel, für das es sich zu leben lohnt.

Wir fragen nach einer letztgültigen Wahrheit in einer Welt, in der unzählige Stimmen auf uns einreden, die sich nicht selten gegenseitig widersprechen.

Wir ringen um Hoffnung, die uns zuversichtlich in die Zukunft schauen lässt. Für diese Welt. Unsere Menschheit. Und natürlich auch für unsere Kirche.

Und schließlich suchen wir nach Frieden. In uns drin. Und ganz besonders auch in unserer verworrenen Welt.

Der Mensch ist, solange er lebt, ein Suchender.

Für uns alle, die wir an Gott glauben, gilt: Letztlich sind wir alle auf der Suche nach Gott. Denn er er ist für uns der Inbegriff der Liebe, des Friedens und des Lebens.

Könnten wir ihn doch finden! Könnten wir ihn doch erkennen! So viele Fragen, so viele Zweifel würden dann verstummen!

Der große Kirchenvater Augustin schreibt gleich am Anfang seiner „Bekenntnisse“: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“[1]

Hört sich schön an, lieber Augustin, aber wie geht das? Dieses Ruhe Finden in Gott? Wie komme ich dahin? Ich möchte schon hier und jetzt Antworten finden auf meine Fragen. Ja, bereits im Hier und Jetzt etwas von dieser Geborgenheit und dieser Ruhe spüren, mit der mich Gott umgibt.

Ist es wirklich wahr, dass wir erst die Stunde unseres Todes abwarten müssen, bis wir Ruhe finden in Gott – so wie es im 1. Korintherbrief steht: „Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel; dann aber stehen wir Gott gegenüber. Jetzt kennen wir ihn nur unvollkommen, dann aber werden wir ihn völlig kennen, so wie er uns jetzt schon kennt.“[2]

Manchmal haben wir das Gefühl, wir sind dazu verurteilt, ein Leben lang Gott-Suchende zu bleiben. Aber ganz ehrlich: Ich möchte nicht ein Leben lang in einen trüben Spiegel gucken. Sondern in einen klaren.

 

III.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass es vielleicht gerade umgekehrt ist? Dass nicht wir es sind, die Gott suchen, sondern umgekehrt: dass Gott auf der Suche ist nach uns?

Würde sonst in der Bibel die Geschichte vom verlorenen Schaf erzählt? Oder vom verlorenen Groschen? Von der Freude der Engel im Himmel über einen einzigen Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte?

Friedrich Naumann[3], der Frankfurter Pfarrer der Inneren Mission hat das so wunderbar beschrieben:

 Gott hat nun einmal die Eigenart, dass er die fertigen braven Ehrenmänner weniger liebt als die suchenden Seelen, selbst wenn es arme Zöllnerseelen sein sollten. 

Es ist schwer, sich den suchenden Gott vorzustellen, ohne ihm allzu menschliche Züge zu geben. Er ist halt kein Hirte, der sein Schaf sucht, und keine Hausfrau, die das ganze Haus auf den Kopf stellt, um einen Groschen zu finden. Das sind ja nur Bilder für den suchenden Gott.

Wie gut, Ihr Lieben, dass wir nicht nur diese Bilder haben. Sondern einen leibhaftigen Menschen, der von Gottes Liebe und Gottes Geist erfüllt war – von Gott selbst zu uns gesandt, um uns zu suchen und zu finden: Jesus Christus.

In ihm haben wir ganz konkret vor Augen, wie es aussieht, wenn Gott uns sucht:

Menschen wie Zachäus[4], die sich danach sehnten, in ihrer Eigenart und auch mit ihrer Schuld akzeptiert zu werden, fanden bei Jesus Freundschaft und Liebe.

Menschen wie die Ehebrecherin[5], die nicht mehr zu hoffen wagte auf eine Chance, der Todesstrafe zu entgehen, fand bei Jesus Geborgenheit und Schutz. „ ... dann will auch ich Dich nicht verurteilen! Geh nach Hause und bringe Dein Leben in Ordnung mit Deinem Mann und Deinem Geliebten.“

Der junge, wohlhabende Mann[6], der sich fragte, für welches Ziel sich zu leben lohne, bekam von Jesus eine Antwort. Gefallen hat sie ihm nicht – aber er ist vermutlich ziemlich nachdenklich geworden.

Heimlich des Nachts war der jüdische Gelehrte[7] zu Jesus gekommen, um ihn nach der letztgültigen Wahrheit zu fragen. Die Antwort muss ihn überzeugt haben. Denn später setzte er sich gegenüber den jüdischen Autoritäten vehement für Jesus ein[8], und war nach Jesu Tod unter denen, die um ihn trauerten[9].

Seine Jünger hatten alle Hoffnung verloren, als Jesu Weg am Kreuz geendet hatte. Es war ein einziger Satz, der ihre Verzweiflung durchbrach: „Fürchtet euch nicht! Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“[10]

Und alle, die wie wir Frieden suchen, echten Frieden, konnten an seinem Kreuz erkennen: Nicht Macht und nicht Gewalt können uns den wahren Frieden bringen, sondern einzig und allein Demut und Hingabe an andere.

Müssen wir da noch lange nach Gott suchen? Wo er uns Menschen doch schon von Anfang der Menschheitsgeschichte an sucht? Wo er uns doch so nahe gekommen ist in Jesus von Nazareth?

Ihr Lieben, wenn wir uns danach sehnen, so akzeptiert zu werden, wie wir sind, dann finden wir diese Liebe bei unserem Schöpfergott; denn der hat uns ja schließlich so gemacht, wie wir sind.

Bevor wir uns auf den Weg machen, schwierige Zeiten durchzustehen, wartet Gottes Geborgenheit und Schutz bereits auf uns. Zwar führt er uns um die dunklen Täler des Lebens nicht herum, aber es ist an unserer Seite, wenn wir sie durchwandern müssen.

Das Ziel, für das es sich zu leben lohnt, ist doch längst gefunden: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“[11] Kann es ein besseres Ziel geben als dieses?

Das Wort unseres Gottes versucht unablässig, durch das Wirrwarr der unzähligen Stimmen hindurchzudringen, die Tag für Tag auf uns einreden. Und wenn es uns erreicht, sollten wir es ganz festhalten: „Meine Gedanken über euch sind gut: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens.“[12]

 

IV.

Ja, ich weiß, einfach ist es nicht, in dem allen, was wir von Jesus von Nazareth hören und lesen, Gott zu finden. Und immer wieder haben wir das Gefühl, doch wieder vor einem trüben Spiegel zu stehen.

Ich weiß es von mir selbst: Gott suchen ist nicht einfach.

Aber wenn es stimmt, dass Gott ja auch nach uns sucht, sollten wir uns dessen bewusst werden: Auch für Gott ist es nicht einfach, uns zu finden.

Denn da steht ihm bei jedem und bei jeder von uns so allerlei im Wege. Sie und Ihr wisst selbst, was Euch daran hindert, Euch finden zu lassen.

Aber ich bin überzeugt:
Wenn Gott uns so sehr sucht, und wir ihn wiederum von Herzen suchen, dann werden wir einander (ganz bestimmt) finden. Vielleicht heute noch. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

[1]  Augustinus von Hippo (354–430), Confessiones I,1.

[2]  1 Kor 13,12.

[3]  Friedrich Naumann (1860–1919), deutscher Politiker, Gemeindepfarrer, Vereinsgeistlicher der Inneren Mission in Frankfurt.

[4]  Lk 19,1-10.

[5]  Joh 7,53–8,11.

[6]  Mk 10,17-22.

[7]  Joh 3,1-21.

[8]  Joh 7,50-52.

[9]  Joh 19,39.

[10] Vgl. Mt. 28,5-7.

[11] Mi 6,8.

[12] Jer 29,11.

Lied nach der Predigt

EG 638,1-3:
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

Strophen

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.

Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Kehrvers

Ehre sei Gott auf der Erde

in allen Straßen und Häusern,

die Menschen werden singen,

bis das Lied zum Himmel steigt.

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden.

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.

Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, daß ich lache.

Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

Verabschiedung/Entpflichtung Dorothea Zager

 

Geistliche Anrede
durch Dr. Klaus-Volker Schütz

 

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setzte auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Psalm 73,28

Entpflichtung

Gebet

Segnungen durch den Propst und die Assistent/innen

Es wird unter Handauflegung ein Bibelwort gesprochen.

Propst Dr. Klaus-Volker Schütz

Hannelies Hofmann

Angelika Huber

Karl-Heinz Ihl

David Huber

Prof. Dr. Werner Zager

Abschließende Segnung durch Dr. Klaus-Volker Schütz

Überreichung der Urkunde

Lied der Gemeinde

Du meine Seele, singe

02 Du meine Seele singe.mp4
MP3-Audiodatei [4.0 MB]

1. Du meine Seele, singe,

wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge

zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben

hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben,

solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet

nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet,

der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen,

den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen

bleibt ewig unbetrübt.

8. Ach ich bin viel zu wenig,

zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König,

ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre

gen Zion in sein Zelt,

ist's billig, dass ich mehre

sein Lob vor aller Welt.

Totengedenken

Wir trauern mit den Angehörigen um unsere Mitchristin Marianne Scheuber geb. Böll, die am 7. Juni dieses Jahres durch einen tragischen Unglücksfall aus diesem Leben gerissen wurde.

Wir legten sie am 15. Juni auf dem Friedhof in Offstein in Gottes Hände zurück. In dieser schweren Abschiedsstunde ließen wir uns tragen von der Verheißung in Johannes 16,20: Christus spricht: Jetzt seid Ihr traurig, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.

Gebet für die Verstorbene

Lieber Vater im Himmel,

wir danken dir für die Jahre, die du Marianne Scheuber und ihrer Familie geschenkt hast. Wir danken dir für die Liebe, die sie erfahren durfte, für die Liebe, die sie verschenken durfte. Und wir danken dir, dass sie so gerne für andere da war. Für ihren Mann, ihre Kinder und ihre Enkelkinder.

Wir danken dir nicht nur für die Kraft, auch die Zeit ihrer schweren Erkrankung durch zu stehen, sondern auch für ihren festen Glauben und ihre Verbundenheit zu unserer Gemeinde.

Wir bitten dich für die, die zurückbleiben und die noch immer fassungslos und traurig sind:

Lindere ihren Schmerz. Zeige ihnen Wege in die Zukunft und lass sie in deiner Liebe geborgen bleiben.

Du wendest alles zum Guten. Gib uns allen, besonders aber Mariannes Ehemann Willi, ihren Kindern André und Monique mit ihrer Familie die Kraft, zuversichtlich zu bleiben und sich auf dich und deine lebensschaffende Kraft zu verlassen. Amen.

Lied nach dem Totengedenken

EG 532,1-3: Nun sich das Herz in alles findet

1. Nun sich das Herz von allem löste,
was es an Glück und Gut umschließt,
komm, Tröster, Heilger Geist, und tröste,
der du aus Gottes Herzen fließt.

2. Nun sich das Herz in alles findet,

was ihm an Schwerem auferlegt,

komm, Heiland, der uns mild verbindet,

die Wunden heilt, uns trägt und pflegt.

3. Nun sich das Herz zu dir erhoben

und nur von dir gehalten weiß,

bleib bei uns, Vater. Und zum Loben

wird unser Klagen. Dir sei Preis!

Fürbittengebet

Gott des Himmels und der Erde, unser Leben verlangt von uns immer wieder aufzubrechen und auf dem Weg zu sein. Ob nun als Gemeinde oder als einzelne Personen.

Du lehrst uns auf diesem Weg das Vertrauen. Denn du zeigst uns den Weg durch das Leben: aus dem Garten der Kindheit, durch die wilden Wasser der Jugend, durch das Land der Erwerbsarbeit hinein in ein neues Land: neue Wege in unserer Arbeit oder in den Ruhestand.

Erfülle uns immer wieder mit neuer Kraft für jeden neuen Weg.

Wir bitten dich für unsere Organistin Sandra Ehses. Lohne ihr all ihren Dienst in unserer Gemeinde, ihre treuen Orgeldienste und ihre Bereitschaft, immer wieder mit wechselnden Ensembles unsere Gottesdienste zu gestalten, mit den Flöten, mit den Krippenspielkindern oder mit Angelikas Trompete.

Segne sie und ihre Familie auf ihrem Weg nach Dresden. Schenke ihr dort einen guten Start, ihr und ihrem Mann Erfüllung an ihren neuen Wirkungsstätten und ihren Kindern ein baldiges Einleben mit guten neuen Freundschaften.

Wir bitten Dich für unsere Pfarrerin Dorothea Zager. Lass nicht umsonst gewesen sein, was sie an Liebe und Engagement in unsere Friedrichsgemeinde investiert hat. Lass die Samen, die sie gesät, und die Pflänzchen, die sie gepflanzt hat, groß werden und gute Früchte tragen.

Segne sie und begleite sie auf ihrem Weg in den Ruhestand. Schenke ihr Freude an der Zeit ohne Pflichten, und Freude an den Dingen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind: Musizieren, Lesen, Gartenarbeit und Familie.

Wir bitten dich für unsere Friedrichsgemeinde. Du weißt, dass unser Gemeindeschiff in schwerer See unterwegs ist und wir uns manchmal sorgen, ob wir nicht untergehen. Mit Sorge und ängstlich blicken wir auf die Tage, die kommen – zunächst ohne Organistin, zunächst ohne Pfarrerin. Deshalb bitten wird dich: Wecke in uns immer wieder neu das Vertrauen in dich! Du bist das Haupt der Kirche, und du lässt uns nicht allein. Gehe mit uns in die neue Zeit und zeige uns gangbare Wege.

Und in der Stille bringe jeder und jede das vor Gott, was sie oder ihn persönlich bewegt:

Gebetsstille

Wir bitten dich, barmherziger Vater, erhöre unser Gebet. Amen.

Und gemeinsam beten wir das Gebet, das die Welt umspannt:

Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel,

so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied

EG 325,1+10: Sollt ich meinem Gott nicht singen?

1. Sollt ich meinem Gott nicht singen?

Sollt ich ihm nicht dankbar sein?

Denn ich seh in allen Dingen,

wie so gut er's mit mir mein'.

Ist doch nichts als lauter Lieben,

das sein treues Herze regt,

das ohn Ende hebt und trägt,

die in seinem Dienst sich üben.

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

10. Weil denn weder Ziel noch Ende

sich in Gottes Liebe find't,

ei so heb ich meine Hände

zu dir, Vater, als dein Kind,

bitte, wollst mir Gnade geben,

dich aus aller meiner Macht

zu umfangen Tag und Nacht

hier in meinem ganzen Leben,

bis ich dich nach dieser Zeit

lob und lieb in Ewigkeit.

Grußworte

Bevor wir diesen Gottesdienst mit dem Segen beschließen, wollen wir noch auf drei Grußworte hören:

Herr Präses Alexander Ebert – Dekanin Jutta Herbert – Kirchenvorstandsvorsitzender David Huber.

Abkündigungen

Wir danken für die Kollekte vom 12.06.2022 in Höhe von 75,65 €, die für die evangelische Weltmission bestimmt war.

Die heutige Kollekte ist für die eigene Gemeinde bestimmt.

Im Anschluss an den Gottesdienst möchte ich Sie alle ganz herzlich zum Empfang im Hof einladen. Stärken Sie sich mit Sekt, Saft und/oder Wasser und an unserem Fingerfood-Buffet.

Und jetzt bittet Pfrn. Zager für uns um den Segen.

Dank und Segen

Ich bedanke mich bei allen für den wunderbaren Gottesdienst, die Musik, die Segensworte und Gebete.

Und damit dieser Gottesdienst doch noch mit einem kleinen Lächeln endet, gebe ich Ihnen noch ein Wort von Berthold Brecht mit auf den Weg:

„Wenn du mich vermisst, denke immer daran, wie sehr ich dir manchmal auf die Nerven gegangen bin.“

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Hören wir noch einmal auf den Wochenspruch zum heutigen Sonntag:
Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lk 19,10)

Geht hin unter dem Segen des Herrn:

Der Herr segne Euch und behüte Euch.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über Euch und gebe Euch Frieden +.

Amen.

Orgelnachspiel

Théodore Dubois: In Paradisum aus “Douze Pièces nouvelles pour Orgue“

14 Pièces Nouvelles (12) for organ- In p[...]
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